Beidseitige Kämpfer. Nebst Zaungästen.

Vertrackte Geschichte da in Rostock, wie eigentlich immer bei solchen ausufernden Ereignissen. Gegenseitige Vorwürfe, die Schuldigen sind schnell erspäht. Natürlich. Entweder die Polizei, welche Dinge wie fliegende Steine doch tatsächlich ein wenig krumm nahm, auf Sachbeschädigung eines Dienstwagen mit Offensive reagierte und per Wasserwerfer wohl ohne Vorwarnung aufgeräumt hat; oder die zahlreich modebewusst-extrovertiert gekleideten 2000 Leute die Steine befreiten, ihnen das Fliegen beibrachten und ansonsten wohl einfach die eigene Merkbefreitheit mit Inbrunst offenlegen wollten. Vielleicht ist auch Attac Schuld, weil sie sich anscheinend nicht ausdrücklich von den Dumpfbacken distanzieren. Da sind die typischen auseinanderliegenden Teilnehmerangaben nur gewohntes Schauspiel, auch wenn „2000 von ca. 20 000 Menschen“ dramatischer klänge, „2000 von ca. 85 000 Menschen“ beruhigender. Wie auch immer. Ein Satz bei Spreeblick trifft es munter und locker :

„Aber wie immer, wenn blutende Kinder mit dem Finger aufeinander zeigen, haben beide ihren Teil dazu beigetragen, dass es Tränen gab.“

Gewonnen haben bei allen Geschehnissen nur die Medien, von Beckstein und Co. einmal abgesehen. Gewalt verkauft sich besser und genau dann scheint Lagerbildung als eigene Teilaufgabe aufgefasst zu werden. Wer will auch umfassend und ausgewogen informieren — oder: es zumindest versuchen, denn mit der Objektivität ist das ansich schon so eine Sache — wenn man z.B. auf den Onlinejahrmärktenangeboten bei entsprechend untertitelten Bildstrecken die Klickzahlen geradezu sicher hat?

Manchmal gibt es noch Versuche, etwas nüchterner dreinzublicken und aufzuarbeiten; zumindest naheliegende Fragen zu stellen. „Gewalt und Berichterstattung“ auf Telepolis geht da z.B. schon in die richtige Richtung, kriecht aber doch letztlich auf halber Strecke, nachdem im Teaser schon der Krampf beginnt. Aber zumindest die Frage nach einem vernachlässigten Aspekt. Immerhin. Vielleicht einmal… mehr?

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