Zweckoptimismus

Setzt man die Definition eines erstrebenswerten Ziels nur tief genug an und gesellt gar grenzenlos erscheinenden Optimismus hinzu, kann man rechtens von einem Erfolg sprechen. Immer. Eine praktische Konvention.

Bei der FAZ weiß man das. Und zelebriert es. Warum das alles ein Erfolg war? Der praktische Nutzen? Nein. Klare verbindliche Entscheidungen? Nein, nur die Erwartungshaltung als Grund. Denn umgekehrt funktioniert das mit dem festgelegten Ziel rethorisch besonders gut, sofern man versteht, die Kritik der Anderen als bewußt-niedrige Erwartungen zu interpretieren & zu verkaufen. Schon hat man Argumente, die gar keine sind, aber anhand derer man die Frage nach „Erfolg“ oder Nicht-Erfolg in einem Satz klären kann, ohne dabei wirklich etwas zu klären. Dann scheinen Konstrukte wie

Obwohl es als chic gilt, die G-8-Gipfel als überflüssige Spektakel zu bezeichnen, weil der Aufwand angeblich in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen stehe, ist in Heiligendamm mehr erreicht worden, als von vielen erwartet worden war.

auszureichen, um Legitimität zu suggerieren. Dann kann man das Ganze auch mit Sätzen wie

Man sollte es in Deutschland wissen: auf die „Gewalt gegen Sachen“ folgt die „Gewalt gegen Personen“, das heißt: der politisch motivierte Mord.

abschließen, die wohl im Geiste der (mit „ihrem“ Gipfel zufriendenen) Gastgeberin huldigen; eher aber das „nüchterne“ Feindbilde des Autors offenbaren.

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