Einschätzungen

„Babies will be assessed on their gurgling, babbling and toe-playing abilities when they are a few months old under a legally enforced national curriculum for children from birth to five published by the government yesterday.

Every nursery, childminder and reception class in Britain will have to monitor children’s progress towards a set of 69 government-set „early learning goals“, recording them against more than 500 development milestones as they go.

At five, each child will be assessed against 13 scales based on the learning goals and their score, called an early years profile, must be passed to the Department for Education and Skills.

When children enter compulsory schooling, they should be able to read simple sentences using a phonics-based approach, count reliably up to 10 and sing simple songs from memory, as well as respecting others‘ beliefs and learning to share and take turns.“

Guardian: Is your baby playing with its toes yet?

So berichtete der Guardian vor ein paar Tagen. Telepolis hat dazu seit heute einen entsprechenden Artikel online. Unter all diesen Regelungen findet sich auch die, dass Einrichtungen, welche von den festgelegten Formalia abweichen, staatliche Fördergelder gestrichen werden. Ein wenig mag man sich an das öffentliche Schulsystem der USA erinnert fühlen. Das Erfüllen der Vorgaben ist Ziel, der Weg dorthin nebensächlich.

Jedenfalls folgten der Bekanntgabe dieser verbindlichen Regelungen heftige Reaktionen von Lehrer-/Eltern-Vereinigungen, die sich größtenteils gegen die erstellten Profile nebst Weiterleitung an staatliche Stelle, an das „Department for Education and Skills“, richteten. Während der Telepolis-Autor dies mittels elterlichen Eigenarten & Befindlichkeiten ein wenig unter den Teppich kommentiert, schneidet der letzte Satz seines Artikels die für mich eigentlich hervorstechenste Eigenart der neuen, zur Verbesserung des Entwicklungs-/Bildungsstandes gedachten, Richtlinien an. Genau jene Problematik, mit der sich wirklich auseinandergesetzt werden sollte.

„Ob dies mit solchen Optimierungsstrategien, die an betriebswirtschaftliche Methoden nach der Art von McKinsey erinnern, funktioniert, ist die große Frage.“

Denn alle Bedenken und Befürchtungen bezüglich Handhabe, Durchführung und Methode beiseite gelassen: Was sagt das über die – bei weitem nicht nur aufs UK einzugrenzende – Beziehung „Staat – Bürger“ aus? Was über Gesellschaften, die letzlich nachfolgende Generationen gar lieblich als „natürliche Ressourcen“ betrachten, die wie Fonds gehegt und gepflegt werden müssen? Verquickung wirtschaftlicher Prinzipien & Begrifflichkeiten mit, so sollte man zumindest ganz idealistisch meinen, natürlich-menschlichen Bedürfnissen und Lebensfragen, bei der zwangsläufig am Ende nur eine einschränkende Form von Individualismus stehen bleiben könnte. Ein neu angestrebtes Ziel, dass nicht einmal nur ansatzweise in die Nähe des eigentlich wichtigen und bedeutsamen kommt.

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