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Stimmen

Stimme erheben

lichter schatten

Der verglaste Balkon scheint offen. Doch er schließt ein.

Dort am erhöhten Ort des Zwangs strömen meine Blicke zu gegensätzlichen Zeiten nach außen. Doch in jeder Zeit stürzen sie sich überhastet auf den unteren, den nahegelegenen Friedhof, überfliegen ihn suchend. Von dort oben, aus meinem erzwungenen Käfig heraus, überwinden sie spielend ihm auferlegte Begrenzungen.
Hier öffnet er sich stets den Blicken. Die Blicke-

— fliegen durch die Abhängigkeit der Zeit—
— holen Bilder ein—

In Dunkelheit

Von künstlichen Laternen eingerahmt, ist der Friedhof ein schwarzer Fleck. Lediglich abseits seiner Mitte erhellt schwaches Kerzenlicht einen Raum. Stets vor dem gleichen Grab verzehrt sich diese winzige Flamme in jeder Dunkelheit aufs Neue.

Diese eine Flamme vermag, was den gekünstelten Lichtern versagt bleibt. Was sie sich nicht erlauben würden. Inmitten gleichartiger Dunkelheit erschafft dieses eine kleine Licht eine flackernde Welt voller Abstufungen, Schattierungen und unscharfer Formen.

Eine Welt fließender Übergänge und konkreter Unklarheiten.
Hier wird das Schemenhafte zum paradoxen und klaren Kontrast.

Das Flackern fliehender Gestalten zum vibrierenden Abbild.

Im Licht

Ein grüner Fleck mit geplant und geordnetem Aufbau. Menschen sitzen in ihm auf Bänken; wandern die befestigten Gänge der Anlage ab. Mit und zugleich in sich selbst versunken.

Manche stehen allein vor einzelnen Gräbern und scheinen sich zu unterhalten, vielleicht versuchen sie dem Grab Zuversicht zu schenken. Andere legen Blumen nieder. Oder tauschen die nun verzehrte vormalige Flamme aus.

Hier am lichtdurchfluteten Ort zeigen sich hinter den Blicken dunkle Flecken.

Das Licht in der Dunkelheit.

Das Dunkle im Licht.

Blicke in zwei getrennt-vereinte Welten,
sie sollten häufiger hin und her, hindurch und darüber hinweg fliegen.

Was bleibt hier im Käfig sonst, als diese Eindrücke des Wechselseitigen mit sich zu nehmen, sie aufzusaugen.

Am 20.04.2011