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Stimmen

# ben_
Le Sven hatte ja schon versucht, mich mit dem Doktor anzufreunden. Das ist aber irgendwie misslungen, obwohl Grundsympathie da ist, schon alleine der Hartnäckigkeit wegen, mit der sich die Serie über die Jahrzehnte gehalten hat und es imponiert mir sehr, wie aufwändig sie inzwischen produziert wird. Sehr schön. Gucken werd ich's wohl trotzdem nicht.
# fym
Hey, wenn es nicht passt, passt es eben nicht. So geht das. Mir ging's ja damals bei der ersten Folge der Neuauflage nicht viel anders - 20 Minuten hielt ich es aus, bevor ich abschaltete. Ich bleibe bei Serien aber oft hoffnungsvoll-hartnäckig noch einige Folgen dabei. Das beschert einem zum großen Teil viel Mist (Lost, anyone?), kann aber manchmal auch glücklich ausgehen (Mad Men, beispielsweise). Und ben_, solange du irgendwann doch mal mit The Wire anfängst, vergebe ich dir gerne deine Who-Unempfänglichkeit ;)
# ben_
Oh. Hell. The Wire. Das liegt immer noch bei mir rum. Gerade hab ich zwar auf Betreiben meines Mitbewohners irgendeine 24 Staffel angefangen, aber danach guck ich mal The Wire. Versprochen.

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Hello. I'm the Doctor. Basically… Run.

Doctor Who startet nach längerer Wartezeit mit der 5. Staffel wieder durch. In 11. Inkarnation übernimmt Matt Smith als bisher jüngster Darsteller die Rolle des Timelords. Zudem sind die Zeiten Davies als Showrunner endlich vorbei. Steven Moffat (Joking Apart, Coupling, Jekyll) sitzt nun als erster Schreiberling und Produzent am Ruder. Genau der Mann, welcher zuvor mit "Blink" oder "The Girl in the fireplace" die besten Folgen der neuen Who-Staffeln schrieb.

The Eleventh Hour schafft als Premiere das, was es schaffen muss. Während der neue Doktor wie eh und je kurz nach seiner Regeneration wunderbar verquer eingeführt wird, verbindet Moffat damit sogleich die Vorstellung der neuen Begleitung des Doktors: Man lernt Amy Pond erst im Kindesalter, anschließend 12 bzw. 14 Jahre später kennen. Das ist für die Charakterisierung beider und ihrer Beziehung zueinander ein wunderbarer kleiner, doch ziemlich effektiver Kniff. Ein im Kontext der Serie naheliegender Dreh, der trotzdem oder gerade deshalb ausladender und zugleich abgerundeter wirkt, als bisherigen Einführungen der Mitreisenden des Doktors. Zudem scheint der auslösende Faktor der Geschichte typischer Moffat-Minimalismus: Es geht zuerst einzig um einen Riss im Kinderzimmer eines kleinen Mädchens. Wunderbar. Die eigentliche Geschichte ist typisches Who-Futter. Die Erde steht aufgrund [Situation xy] kurz vor der Vernichtung, was natürlich durch den Doc mitsamt Begleitern zum ungezählten Male verhindert wird.

Daran hat sich nichts geändert, daran wird sich auch weiterhin nichts ändern. Moffat beschränkt sich bei seiner ersten Folge in neuer Rolle jedoch offensichtlich nur auf den Doktor. Keine der sonstigen Hilfsmittel stehen zur Verfügung. Keine TARDIS, ein defekter Sonic screwdriver der am Ende ganz den Geist aufgibt; einzig der Verstand und die Kombinationsfähigkeit des Doktors müssen den Tag retten. Darüberhinaus scheint Moffat zu verstehen, dass sich der Charakter nicht allein durch seine Attitüde, sein Wissen oder seine damit verbundene Macht auszeichnet, sondern auch und vor allem durch seine Gabe, andere Menschen mit Mut, Inspiration und Zuversicht anstecken zu können. Eine Szene symbolisiert genau das in komprimierter Form.

Doctor Jeff? You're my best man.
Jeff Your what…?
Doctor Listen to me. In 10 minutes you're going to be a legend. In 10 minutes everyone on that screen is going to offer you any job you want but first you have to be magnificent. You have to make them trust you and get them working. This is it, Jeff. Right here, right now. This is when you fly. Today's the day you save the world.
Jeff [long pause] … Why me?
Doctor It's your bedroom. Now, go go go.

Die grundsätzliche Ausrichtung scheint also zu stimmen. The Eleventh Hour behält vieles bei, gibt bisweilen neue, kleine Nuancen in den Mix hinzu. Die Szene, in der der Zuschauer die Perspektive des Doktors annimmt, wirkte in ihrer Machart, der Schnittfolge, beim ersten Sehen ein wenig deplatziert, warf mich zumindest kurzzeitig aus der Atmosphäre der Folge. Und ich weiß nicht, ob Moffat damit eines der ungeschriebenen Who-Gesetze gebrochen hat oder nicht. Vielleicht kann man es getrost übersehen und unter visuelle Spielerei verbuchen. Desweiteren hoffe ich, dass Moffat trotz aller Anspielungen mit der Konstellation Amy Pond/Doktor nicht das gleiche Spiel treiben wird, was man schon seit spätestens der 2. Staffel der Who-Neuauflage ertragen musste - die Begleitung des Doktors als love interest. In der Hinsicht hat mir Donna Noble in der letzten Staffel am besten gefallen und ich hoffe, dass sich der Amy Pond Charakter in der Art einfügen wird.

Moffats Zeit hat begonnen und ich bin nach der ersten Folge zuversichtlich, dass dadurch schon zwangsläufig eine Bewegung weg vom gewohnten Davies-Einerlei hin zum Besseren vollzogen wird. Bei aller Kritik an Davies darf man aber nicht vergessen, dass er die Serie letztlich wiederbelebt und wenigstens dafür gesorgt hat, dass es nun in 5. Staffel endlich losgehen kann. Dafür bin ich ihm noch dankbar, bevor er aus dem Gedächtnis gestrichen wird. So denn, Moffat, bring it on… Weeping Angels (don't cheapen them!), Smilers, Daleks, Cybermen und Co. Die Wartezeit war schließlich lang genug.

~ Am 08.04.2010

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~ Bildmaterial von Ian Welch (cc) ~ Doctor Who Logo und Teaserbild von BBC (©)

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