Die kleine Motte

Ein halbes Jahr ist es her, dass die Idee und Vorstellung der Parasitin zur Realität wurde, die Kleine selbige bei Ankunft anschrie und verwundert anblinzelte.

6 Monate in denen sich die vorgeburtliche Kosung Parasitin ziemlich schnell zu kleine Motte abwandelte. Weil Tierbezeichnungen für ein so kleines Wesen nun mal objektiv lustiger und vor allem passender sind. Die Kleine strampelt, wackelt und fuhrwerkt so sehr rum, man könnte meinen, sie flattere wild umher. Gerade Abends.

Die kleine Motte. Also.

Was innerhalb dieser 6 Monate bei ihr passierte, war schon vorher irgendwie klar oder zumindest zu erahnen. Ein fortlaufender, fließender Übergang, bei welchem häufig kleine, vorerst nur einmalige, neue Entwicklungen hinzukommen. Motorische Fähigkeiten, beispielsweise. Manchmal bemerkt man diese erst, wenn die kleine Motte diese plötzlich ständig einsetzt und dann noch zusätzlich mit anderen, bereits erworbenen, Errungenschaften kombiniert.

Das ist soweit erwartbar, interessant, schön, beschwerlich – ach, all die Adjektive halt, die einen beim Beobachten der Entwicklung eines neuen kleinen Wesens (und dessen Pflege) innewohnen.

Wenn ich hingegen das Ganze umgekehrt betrachte, dann ist es für mich selbst schon überraschend, wie sehr man sich selbst anpasst, verändert und welche Marotten sich dabei so entwickeln.

Dass beispielsweise überall Zeugs der kleinen Motte rumliegt, war erwartbar. Dass ich schon 3 oder 4 Mal über den Baby Björn gestolpert bin, mir dauernd die Füße anhaue und auf Beißringe, Löffel oder sonst was trete – auch erwartbar, aber eben auch vermeidbar. Und trotzdem passiert es. Geschenkt.

Dass man nun aber Abends, nach dem hoffentlich erfolgreichen Einschlafen der Kleinen im Wohnzimmer auf der Couch sitzt und bei jedem kleinsten Geräusch aus dem Babyphone wie ein Erdmännchen hochschreckt und den Wind nach weiteren Geräuschen und Anzeichen prüft – das habe ich in der Stärke nicht erwartet, aber es überrascht auch nicht.

Lustig sind übrigens auch die Momente kurzer geistiger Umnachtungen, wenn man beispielsweise zu zweit schon da sitzt und redet und es einem plötzlich siedend heiß in den Sinn kommt „Wo ist das Babyphone? Ist es an? Haben wir etwa die ganze Zeit die Kleine ignoriert?!“, nur um festzustellen, dass die andere Hälfte des Familienteams natürlich bereits daran gedacht hat.

Was mich hingegen überrascht und die ersten paar Monate mitgenommen hat, waren die Phantomgeräusche bzw. so eine perfide Abart des psychoaktiven Hörens. Das gab es in zwei Ausführungen:

Einmal das simple Ummünzen von Außengeräuschen (von der Straße, von Nachbarn, woher auch immer) auf die kleine Motte – „Huch! War das die Kleine? Hat sie geschrien? Ich versichere mich mal lieber…“ Das passiert zwar hin und wieder immer noch, hat aber merklich und sehr deutlich nachgelassen.

Besonders irritierend war zu Beginn die andere Variante: Es ist ruhig, es gibt keine externen Geräusche die eigentlich auch nur entfernt an Babygeschrei erinnern könnten und doch – die Psyche formt sie irgendwie dazu um oder baut sie in die Stille ein. Plötzlich schreit das Kind im Ohr und nach Momenten der Rückversicherung zweifelt man an den eigenen Sinnen. Schreck-lichst!

2 Stimmen

# Konstanti

Lieber Maurice,
alles erdenklich Beste zu Eurer kleinen Motte! So schön zu lesen, dass Ihr neues Leben in die Welt gebracht habt!

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