Touch-a, touch-a, touch me

Die hießigen AnzeigenNachrichtenportale fahren momentan also eine Aktion, die ihre Leserschaft dazu animieren soll, die Werbeblocker zumindest auf und für ihre Seiten zu deaktivieren. Das hatten wir vor 3 Jahren mal als patalongschen Appell bei Spiegel Online, nun also direkt und durch die Bank.

Man muss es inzwischen wohl schon als guten Umstand vermerken, dass sie sich vorerst mit solch dezenten Hinweistexten a la Jimmy Wales/Wikipedia begnügen. Da fällt es auch nicht mehr ins Gewicht, dass diese Texte ganz hochtrabend die eigene, beispielhafte Qualität betonen, um sich als zwar darbende, doch idealistisch so notwendige und ausgeglichene Instanz zu gerieren.

Deshalb habe ich mir mal den Spaß gemacht, und die ersten paar Pixel der Startseiten vom Spiegel, der Zeit und der SZ sowohl mit als auch ohne aktiviertem Adblocker zu screenshoten und diese jeweils übereinander zu legen.

ohne Adblocker
mit Adblocker

Man sieht also: Ohne Adblocker werden 2 der Seiten dank einer ganzseitigen Anzeige in hübsches Iren-Grün getaucht. Das bringt wenigstens Abwechslung in den drögen Nachrichtenalltag. Die animierten Buttons der Anzeigen sorgen für das nötige Maß an Dynamik. Und all das ist besonders unaufdringlich.

Wenn nun also Zeit, Spiegel und SZ mit einiger Variation in ihren Aufklärungstexten von ihren tiefgehenden Recherchen oder allgemein ihrem preisgekrönten Journalismus schreiben, dann hat das Hand und Fu— oh! die Zschäpe-Verteidiger fordern irgendwas.
Gut, dass ich das mitbekommen habe.

Eine Sache wäre da aber noch, speziell wegen des Textes von Spiegel Online und peripher der anderen Texte:

Adblocker bedeuten für uns, dass wir für unsere Arbeit kein Geld bekommen.

Ich frage mich nämlich gerade, wer das schreibt? Die Eigentümer? Die Redaktion in Vertretung aller Redakteure und aller Freien? Letzteres wirkt etwas zynisch und so, als würden sie sich vor den Karren spannen lassen.

Denn ich glaube ja nicht, dass die seit Jahren grassierenden Hungerlöhne in der Branche, die unvorteilhaften Bedingungen für und die beabsichtigten Rechteabgaben des schreibenden Fußvolkes soooo direkt etwas mit den durch Adblockern bedingten Mindereinnahmen zu tun haben. Aber ich glaube es ja nur, die Realität schaut bestimmt anders aus. Das macht ja auch Sinn, die Schuldigen auf der Seite der Leserschaft und nicht eines starren Managements zu verorten.

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