Tabletchen

Alles muss. Nichts benötigt.
Egal welches technische Gerät – wirklich nötig ist keines. Wenn man trotzdem dieser Meinung verfallen sein und bis zum Letzen auf ihre Richtigkeit bestehen sollte, darf man sich selbst zum Ausleben feinster kognitiver Dissonanzen beglückwünschen.

All so liegt hier in voller Dissonanz seit einigen Tagen neben einem Apfel-Gerät der 2. Generation das Nexus 7 herum.

Der 7-Zoll Formfaktor kommt meiner persönlichen Preferenz schon recht nahe. Beim 1. Anblick fühlte ich mich an die damalige Reaktion auf das iPad 1 erinnert. Im Grunde ein übergroßes Smartphone. Das Nexus 7 ist ein Mittelding aus Smartphone und wuchtigem Tablet, für meinen Geschmack und den meiner äh, wohldimensionierten Hände weder zu groß noch zu klein. Die Größe gestattet es beispielsweise, die Tastatur im Querformat beidhändig (eher: beiddäumig) bedienen zu können, ohne das Gerät irgendwo zwangsläufig ablegen zu müssen. Der angerauhte, gummierte Hintern des Geräts sowie das recht geringe Gewicht tun dafür ihr Übriges.

Das iPad 2 war mein erstes Apple-Gerät. Und schon nach kurzer Zeit hat es mir allerlei Vorurteile bestätigt. Ich bin einfach nicht der Typ für dermaßen geschlossene Systeme, die mir einzig nur die Rolle des DAUs zugestehen wollen. Der Frustfaktor beim iPad war und ist für mich dementsprechend hoch, da selbst grundlegende Sachen wie Datenübertragung im Grunde hermetisch abgeriegelt sind und im Umkehrschluß stets zwingend auf den Hauptnenner iTunes verweisen. So sehr wie beim iPad, kam ich mir jedenfalls noch bei keinem Gerät zuvor als entmündigter und gegängelter Nutzer vor. Unschön.

Nun ist das Nexus 7 als Gerät Googles ab Kauf natürlich im Vergleich keine befreite Hard- und Software. Das Ding ist wie die anderen Androiden idealerweise funktionell mit einem entsprechenden Konto verknüpft. Die Bestrebungen den Play Store gleichauf mit Apples Ökosystem-Hölle ziehen zu lassen, hinterlassen auch hier ihre dreckigen, wolkenverhangenen Spuren.

Das Gerät ist mir zwar gefälliger, dass ändert aber auch nichts am Unmut über den Store, respektive die dahinterstehende Ideologie. Hier würde ich auch keine Filme oder gar Bücher „kaufen“. Denn man besitzt auch hier trotz investiertem Geld faktisch nichts, ist zumindest nicht Herr seiner eigenen Dinge und dieser Umstand liegt nicht am digitalen Zustand der Inhalte.

Was aber dem Eindruck bisher gut tut, sind die zwar kleineren, dafür aber wahrscheinlich stärker empfunden Umstände des normalen Alltags. Die Shortcuts zum Store sind schnell oberflächlich entfernt, die Oberfläche dementsprechend recht schnell entrümpelt. Man kann das Tabletchen klaglos per USB an den Rechner hängen und Daten hin- und herschaufeln. Über eine (kostenlose) App wie AirDroid ist das entsprechend auch per WLAN recht unkompliziert möglich. Eine kleine, aber womöglich nicht ganz unwichtige Wohltat.

Ich vermute, dass meine tendenziellen Sympathien gegenüber Android mehrheitlich im Gefühl während der Benutzung ihren Ursprung haben; das Gefühl hier suggerierte Kontrolle zu besitzen.
Einstellungen, noch und nöcher! Das kenn‘ ich alter Sack und Spielkind noch von früher!
iOS hat all das vom Umfang her wegrationalisiert, was die Geräte zwangsläufig mit einer höheren und konsequenteren UX quittieren. Als Nicht-Designer würde ich trotzdem die Behauptung wagen: Eine funktionelle, ansprechende UX zu kreieren, in einem dermaßen beschaffenen System, das ist auch nicht die höchste aller Künste.

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