in trauter Zusammenkunft

Da hat der unmittelbare Nachbar letztens doch seine Wochenendaktivitäten auf unter die Woche vorverlegt. Geschickt! und wie immer in trauter Zusammenkunft ergeben sich unter gruppendynamischer Konstellation bestimmte Sachen zwingend.

Derart zusammengerottet zählt nur die nähere Umgebung und das eigene Grüppchen. Man muss diesem musikalische Untermalung bieten. Wenn man dadurch auch die weitere Umgebung bis 4 Uhr morgens mit Musik versorgt, umso besser! Aber diese Überlegung und ähnliche Gedanken finden ohnehin keinen ausreichenden Platz im ausgelassenen Geiste. Was hingegen kurz zu bedenken und entscheiden ist, ist die Frage, wie die Musik und die Kommunikation untereinander möglichst gut zu vereinbaren ist. Die eigene Stimme über den Lautstärkepegel der Hintergrundmusik klettern zu lassen, ist nicht nur probater Ausweg, es ist die einzig logische Lösung.

Auf Gegenseite ergibt eine derartige Konstellation hingegen ebenso bestimmte, zwingende Fragen und Schlußfolgerungen.

Geht man am besten sofort herüber, bricht in diese Gruppendynamik ein, fordert freundlich und bestimmt eine leisere Zusammenkunft ein und findet sich anschließend mit der Tatsache ab, dass man nun doch alt und ein Spießer geworden ist? Oder wartet man ab, spitzt noch mehr die Ohren, hört jedes noch so kleinere Mucksen, summiert im Geiste alles fein säuberlich miteinander und multipliziert das Ergebnis mit der stetig steigenden, inneren Unausgeglichenheit? Damit sich der innere Zorn auch so richtig schön zementieren kann und man im Falle eines Falles, wenn man schlußendlich doch rübergehen und etwas sagen sollte, auch korrekterweise wie ein von Tollwut zerfressenes, schäumendes Wesen, bar jeder Differenz, wirkt?

Schwierig, schwierig.

Zur Not bleiben dem rückgratlosen, spießerhaft wirkendem, Menschen ja noch die Rachephantasien.
In jener Phantasie merke ich mir den Zeitpunkt der eintretenden Ruhe, addiere darauf 30 Minuten, bis der Nachbar selbst wohlig schläft und gebe noch weitere 2,5 Stunden hinzu. In meiner Vorstellung bin ich also gegen halb 8 Uhr Morgens zur Wohnungstür des Übeltäters gegangen und habe in Sturm geklingelt. Er hat nach einer hoffentlich sehr aufgeschreckten Phase des Erwachens dann die Tür geöffnet und mit einem Tonfall zwischen Genervtheit und Schock gefragt, was ich denn wollte. Während ich derweil begeistert und mit Grinsen den Flur beobachte, ihn anschaue, als hätte ich seine Gegenwart nun wahrlich nicht erwartet, entgegne ich ihm mit enthusiastischen Gesichtsausdruck:

Ich hab vorhin überlegt, ob deine Klingel genauso klingt wie meine. Und ich hatte jetzt einfach so Lust darauf das herauszufinden. Was soll ich sagen, sie klingt toll! Aber genug von mir… was gibt’s?

Samstag, 15 September 2012
cc

Eine Stimme

# Sascha

Brillante Idee. Memo an mich: Merken und ausprobieren.

Stimme erheben