Impressionskrheit

Im Haus Kranker muss ein Knopf gedrückt werden. Das erscheint passend und fast schon zwingend.
Während ich schwankend einmal hier-einmal da sitze und den Zettel anstarre, wirkt die Atmosphäre selbst eingetrübt recht betrübt auf mich. Und ich überlege, ob man hier wohl auch gleich einen Reisepass beantragen oder den Wohnsitz ummelden könnte. Es scheint so einer und viel mehr -lei.

Warten.

Pling

Das Zimmer wirkt großzügig, ist hell und würde wohl so manchem Stadtbediensteten einen guten Neidschmerz verursachen. Hier wird aufgenommen.
Guten Morgen, was darf ich für Sie tun?
Nicht in Dienstleistungsitis-Zungen reden wäre ein Anfang, aber das behalte ich lieber für mich. Am Ende des Gesprächs wird mir ein Strichcode ans Handgelenk gekettet und ich versuche die gefühlten Drehungen nutzbringend einzusetzen. Mit ihrer Hilfe die Assoziationen vielleicht doch abzuschütteln.

Ein Notwendigkeit, die verwehrt wird. Denn alsbald werde ich weitergehschickt. Dabei habe ich die erhaltene, hauseigene Lektüre-Ausstattung fest im Griff.

Im vom Gegenlicht undurchfluteten Zimmer blättere ich lustlos im Heft des Hauses. Durch und durch ein Werbeblatt. An Absurdität ist dieser Moment nicht zu überbieten. Was soll einem die Selbstanpreisung geben? Zuversicht? Sicherheit?
Ich bin schon hier. Hört doch auf damit.
Ich gebe mich deshalb allzu gern wieder den eigenen Drehungen hin. Sie ergeben plötzlich doch einen Sinn, sind stringenter.

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In angelegter Wildnis findet man ausgerissene Stücke.

Morgenstund‘ hat Gold im Mund.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

Sitz. Platz. Braver Hund.

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Während ich auf einen großen Magneten warte, betrachte ich den winzigen Raum. Ein Wartestuhl mehr und der Raum würde wohl alles hinschmeißen und einfach das Haus verlassen. Bestimmt. Es zieht im Arm.

In meiner Vorstellung drehe ich leicht an der Kappe, löse sie ein wenig und höre zu, wie die aus dem Innersten entfleuchende Luft mir ein Konzert gibt. Im Geiste komponiere ich ein kleines Stück, allein bestimmt durch Auf- und Zudrehen, ein Pfeifkonzert. Ich verbeuge mich tief.

Später erkenne ich, dass Magneten den besseren Dubstep produzieren. DJ MRT is in da house – prrrrchrrrrbubchrrrr

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Versatzstück-Lyrik als eine mögliche Beschäftigungstherapie.

Brötchen Graubrot 2 Kaffee
Butter Käse Gefl-wurst
Zucker

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Drücken Sie diesen Knopf, wenn Sie jemanden brauchen.

Ob und wann jemand kommt, ist dann wieder was anderes. Knopfismus als Suggestion von Sicherheit ist auch hier zu finden.

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Eigenes Glück im Kontrast des Unglücks anderer zu definieren, erscheint so abstoßend und doch ist es so und nicht anders nötig. Durch und durch Kontrast- und Dichotomie-Wesen.

Sonntag, 22 Juli 2012

Stimme erheben