Schnipsel zum Internet der Schnipsel

Google nimmt seinem Reader die bisherige, nun ohne Buzz erst recht isoliert stehende, quasi-soziale Komponente und verbindet sie stattdessen mit Google+. Okay. Das mag aus der Sicht des großen G ja Sinn machen, dass sie nun alles auf Plus konzentrieren und damit verweben. Das mag in dieser sozialigen Annahme aller des Netzes gar normativ sein. Für mich aber nicht. Die pseudo-sozialen Shared Items sind für mich bisher der Grund gewesen, beim Google Reader zu bleiben. Wenn das wegfällt… meh, dann kann ich genauso gut wieder zurück zu einer lokalen Lösung gehen.

Waren die Shared Items doch ein schöner Kompromis zwischen überfülltem Twitter-/Facebook-Timeline-Gedöns und Effizienz. Im Grunde ein kleiner social web-Bastard, der nicht wirklich social war. Bevor ich „offizielles“ presseähnliches Zeugs in Feed-Form oder gar Rivva abonniere, verfolge ich lieber die Empfehlungen von ein paar Leuten, mit denen sich vielleicht 2, 3 Interessengebiete überschneiden. Das bringt mir zumindest gefühlt mehr und es ist im Gegensatz zu dem anderen Status-Kram kein allzu redundanter Overkill.

Es war sozusagen ein Gang in die freiwillige Filter-Blase. Schade, dass man auf Seiten Googles in Anwesenheit des + scheinbar an keinerlei Kompromissen mehr interessiert zu sein scheint und nun vollends die User auch explizit auf die eigenen Plattform, zum groß-goldenen Käfig, zwingt.

~~~~

Überhaupt, liebes Internet. Wir müssen uns mal unterhalten. Oder ich dir was vorbrabbeln.

Wenn das nochmal was werden soll mit dir, liebes Internet, also so, wie sich einige das in voller Hoffnung und im Bewusstsein deines Potentials einmal vorgestellt haben, dann müssten wir alle uns mehr Gedanken um Dezentralisierung und offene Protokolle machen.

Diese reine Abfolge von Machtkonzentrationen war während des Nischendaseins vielleicht noch nicht so schlimm, auf jeden Fall unterhaltsam – aber auf Dauer kann es das nicht sein. Das muss doch besser gehen. Jetzt, da das Netz beginnt vollends in der Mitte aller anzukommen, spätestens jetzt muss das zwingend besser werden.

Denn wenn du als Medium des Mittelpunktes jeden dazu befähigst, als Sender aufzutreten, führt die bisherige Abfolge und der Wechsel der Machtkonzentrationen unweigerlich und zwingend zu nichts Gutem.

Der Markt wird’s schon richten hilft deinem Potential zumindest genau null, nichts, nada. Ich sehe nicht, wie das mit dir in allem Idealismus noch was werden kann, wenn sich keine 180-Grad-Wende einstellt. Erst wenn man den dir eigentlich inhärenten Unkapitalismus verinnerlichen und wirklich und wahrhaftig umsetzen würde, erst dann könntest du dein volles Potential ausschöpfen.

So aber, so dümpelst du momentan als Diener von einer Machtkonzentration zur nächsten.

~~~~

Nebenbei:
Mit dem aktuellen Build von Chromium lahmt die Twitter-Seite bzw. das Scrollen der Seite/Timeline nicht mehr. Gerade getestet. Schön.
Kann ich die Twitter-Seite ja wieder schließen.
Tschirp.

Sonntag, 23 Oktober 2011
cc

2 Stimmen

# Thomas

ja, die effizienz des readers ist das coole – ca 30 items auf einen blick und die tasten k, j und m waren meine freunde. das ganze ’soziale‘ ließe sich ja problemlos auch bei g+ abbilden, aber ich befürchte, die gleichzeitige effizienz und übersichtlichkeit bleibt auf der strecke. na ja, vielleicht lassen die sich ja was einfallen…

# fym

Der „soziale“ Kram ließe sich problemlos auf G+ abbilden. Mehr noch: Allein der Umstand den Kram über G+ laufen zu lassen, also auch explizit mit einem G+-Realname-Profil zu verbinden, wäre „sozialiger“. Allein: Aus Nutzersicht (oder zumindest meiner) geht damit genau die Kapselung flöten, die ich bisher daran geschätzt hatte.

Das da fasst es im Prinzip treffend zusammen:

For one thing, Reader is only sort of a social network. In many senses it’s an anti-social network. Not in the sense that people in Reader are anti-social so much as the point is to harbor a small enclave of carefully selected people and create a safe-haven of sorts where that “carefully constructed human curated” list of shares and insights can flourish. In Reader, you don’t go after as many friends as possible. You certainly don’t see anyone from high school. Nobody shares photos of their kids. […]
The microcosm that is Google Reader is a valuable and important piece of social media. It’s a shame that Google doesn’t recognize this. Why not create a Google Reader Plus for everyone on Plus and just leave Reader itself alone?

(Und natürlich bin ich durch die Shared Items auf diesen Artikel aufmerksam gemacht worden.)

Stimme erheben