Serienabriss II

Der Stand der Dinge und der Serien aus dem ersten Abriss:

5 von 6 Serien quasi-empfohlen.
2 von 5 Serien mit Sternchen wirklich empfohlen.
2 von 2 dieser Serien sind inzwischen abgesetzt (Rubicon und Terriers)
4 von 6 Serien seriellen weiter vor sich hin

„Schöne“ Bilanz. Nichtsdestotrotz, ein weiteres Mal.

Was in letzter Zeit vermehrt in Augen und Gehörgänge gelang und dabei vielleicht gefiel. Ein Abriss also. Von Serien. Nummer 2.

Archer

© FX

Im vergangenen Jahr beim Start links liegengelassen, habe ich die 1. und 2. Staffel nach dem Pilot recht zügig nachgeschaut.

Archer dreht sich um den Namensgeber Sterlin Malory Archer, Top-Agent des mehr als zweifelhaften Secret Intelligence Service (ISIS). Archers Können auf professioneller Ebene, wird durch seine persönliche Seite mehr als ausgeglichen. Ihm geht es mehr um den luxuriösen Lebensstil eines Agenten und Sex. Ansonsten ist er ein lauter, schnell reizbarer Typ, der nicht nur von seinen Kollegen beständig als Arschloch bezeichnet wird. Doch ISIS wäre nicht ISIS, wenn Archers Kollegen nicht selbst vollkommen überdrehte Zeitgenossen wären.

Da wären u.a.:

  • Lana, Archers Ex, selbst mit einer, nun – aufbrausenden Persönlichkeit gesegnet
  • Malory Archer, Chefin von ISIS und Archers „liebevolle“ Mutter
  • Cheryl, Malorys Sekretärin, die häufig ihren Namen wechselt, dumm wie ein Toastbrot ist und jedem ihre sadomasochistischen Phantasien mitteilt
  • Pam, Chefin der Personalabteilung, die für Beschwerden über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz gerne ihre Handpuppen hervorholt, passendweise das größte Plappermaul innerhalb ISIS ist und zudem ständig darauf aus, selbst einmal „sexuell belästigt“ zu werden
  • Dr. Krieger, Chef der Forschungsabteilung, bar jeglicher Moral

An den Zeichenstil der Serie muss man sich zwar erst gewöhnen, doch die Dialoge, Situationen und überdrehten Charaktere waren und sind einfach zu unterhaltsam. So spielt Archer zwar im Agentenumfeld und dabei wiederum mit dessen diversen klassischen Klischees, doch hauptsächlich dreht sich die Serie um den Arbeitsplatz und die dortigen Interaktionen der Charaktere. The Office (US) auf E ohne Mockumentary-Format, wenn man so will.

Darüberhinaus ist das Spiel mit Agentenklischees durchsetzt von allerlei bewussten Anachronismen – so spielt das Setting deutlich auf die 50’er bzw. 60’er Jahre an, weist jedoch ständig aktuelle Bezüge auf. Die „Insassen“ von ISIS verhalten sich wie überdrehtere Mad Men inmitten einer Human Ressources-Welt, nur um sich um diese einen Dreck zu scheren. Technologisch finden sich deshalb neben raumhohen Computern, Bandlaufwerken und alten Videokameras ebenso Handys und anderer moderner Kram.

Archer besitzt einen für US-Verhältnisse dreckigen und ja, infantilen Humor. Wiederum eingebettet in einem schnellen, cleveren und bisweilen wunderhübschen Dialogfeuerwerk, wird das Ganze hier und da mit netter Satire garniert. Sehr unterhaltsam.

Community

© NBC

… habe ich hier schon das ein oder andere Mal erwähnt. Kein Wunder, stechen Folgen wie beispielsweise Modern Warfare mit allen enthaltenen Referenzen doch selbst im Rahmen der Serie mehr als hervor. Die Serie ist so intertextuell und Meta, wie nur irgendmöglich. Community ist derzeit das Beste, dass sich im inzwischen diffusen Bereich Comedy finden lässt. Intertextualität allein wäre kein ausreichend Grund dafür— wie sie es anstellt schon.

The Psychology of Letting Go beinhaltet beispielsweise das, was die Serie unter anderem zum Stern der halbstündigen Shows macht. Das in Anbetracht des 22-minütigen Rahmens (eigentlich) vollkommen deplatzierte, stete Spiel mit der eigenen Struktur und Form sowie das zeitgleiche Runterspielen und Unterwandern aller damit verbundener Mechanismen. In besagter Episode wird ein (pseudo) Handlungsbogen wortwörtlich in den Hintergrund verfrachtet. Ein wahrscheinlich nicht zu unterschätzender Mehraufwand während des Drehens, für einen letzen Endes kurzen Moment während des Anschauens. Community ist voll davon.

Die offensichtlichen, „speziellen“ Referenz-Folgen, wie in Ansätzen „Contemporary American Poultry“ (Mafia- bzw. Pate-Referenzen noch und nöcher), unumwunden oben erwähntes „Modern Warfare“ (Action-Filme/-Klischees) oder „Abed’s Uncontrollable Christmas“ (Claymation-Weihnachtsfolge und oberflächlich Paradebeispiel aller special episodes) sowie „Advanced Dungeons & Dragons“ (Dung- you get it) illustrieren diesen Umstand. Sie sind in ihrer Präsentation allesamt auf die gerade in Sweeps-Monaten gängige special episode-Praxis angelegt. Bei dieser Serie befinden sich derlei „Event“-Folgen trotzdem stets innerhalb des serieninternen Canons. Sie sind narrativ keine einmalige Ausnahme oder werden im Anschluß gar vergessen. Die Schreiber finden immer Ansätze, die über sonstige leidliche Aufhänger hinausgehen.

So fußt beispielsweise die Claymation-Weihnachtsfolge auf einem persönlichen Problem des Abed Charakters, die Aufmachung der Folge spiegelt seine Wahrnehmung der Geschehnisse. Diese zwei Ebenen – die imaginierte Welt Abeds und die tatsächlich reelle Situation – werden gekonnt eingesetzt. Der Inhalt untergräbt und bricht die gesamte Zeit über bewusst die Form und Aufmachung dessen, was der Zuschauer zu sehen bekommt. Die Folge ist eine Episode über Abeds Episode und funktioniert auf jeder Ebene wundervoll.

Community verbindet reine Unterhaltung mit Herz und vor allem Verstand. Und das mehr als gekonnt. Die Tage wurde die 3. Staffel vom Network bestätigt. Richtig so. Und überhaupt: Anschauen.

Parks and Recreation

© NBC

Neben Community steht zur Zeit Parks and Recreation an erhöhter Stelle im Comedybereich. Dafür hat die Serie allerdings auch einiges an Anlauf gebraucht.

Hinter Parks stecken Macher der US-Version von The Office, was wiederum unter anderem das eigentlich totgelaufene und inzwischen fast schon leidliche Mockumentary-Format erklärt. Der kurzen 1. Staffel merkte man an, dass die Schreiber selbst noch keine klaren Linien ihrer Charaktere erkennen konnten, alles siechte im Mittelmaß daher.

Mit der 2. Staffel fanden die Autoren die Stimmen ihrer Figuren, so dass das Format in den Hintergrund, die Charaktere prominenter in den Vordergrund treten konnten. War Protagonistin Leslie Knope zuvor im Grunde nicht mehr als ein noch stärker verblendeter, weiblicher Michael Scott, hat man ihr im Verlauf der Staffel mehr Akzente verliehen, um sie letztlich aus dieser ultraflachen und eingeschränkten Rolle zu lösen.

Gleichzeitig wurde das Ensemble prominenter positioniert, was wiederum Knopes Eigenheiten normalisiert erscheinen lässt. Hinzu kommen vor dem Hintergrund lokaler Verwaltung und Politik noch kleinere, satirische Einschübe über den großen Bruder und die Medien. Seit der letzten Hälfte der 2. sowie der gerade aktuellen 3. Staffel haben die Macher eine angenehme Balance zwischen aller Abgedrehtheit und vornehmer Zurückhaltung gefunden, die wirklich Spaß macht.

Überhaupt könnte und müsste für Parks and Recreation allein wegen des Charakters Ron Swanson eine Empfehlung ausgesprochen werden. Nick Offerman ist mit seiner Darstellung des trockenen Chefs der Abteilung in fast jeder beteiligten Szene das Highlight.

The Good Wife

© CBS

Obwohl mich zuvor weder Beschreibung und schon gar nicht Serientitel gereizt haben, bin ich bei der Serie hängengeblieben, nachdem ich zusammen mit meiner besserbesten Hälfte eine Folge geschaut habe.

The Good Wife ist gut inszeniertes juristisches/politisches Drama, während der Plot direkt aus diversen Schlagzeilen stammt: Nachdem Alicia Florricks Ehemann Peter – „oberster“ Staatsanwalt von Cook County – nach einem stark publizierten Sex- und Korruptionsskandal ins Gefängnis muss, kehrt diese trotz der öffentlichen Demütigung in ihren früheren Job als Prozessanwältin zurück, auch um für ihre zwei Kinder zu sorgen.

Die erste Folge, die ich sah, erinnerte mich von ihrem Ablauf und der Struktur stark an so manche Folgen von The West Wing, was das „an der Serie hängengeblieben“ vielleicht zusätzlich erklärt. Zudem ist die Show mit Julianna Margulies, Josh Charles, Christine Baranski und Alan Cumming hochkarätig besetzt. Gerade Cumming stiehlt mit seinem Charakter, Eli Gold (Rahm Emanuel auf TV-PG, wenn man so will), regelmäßig Szenen und ist nach einer Gastrolle in der 1. für die 2. Staffel in den Main Cast gerückt.

Im Grunde haben die Frauenfiguren/-rollen der Serie mein Interesse aufrecht erhalten. Denn einerseits spielt allen voran Margulies eine angenehm emanzipierte und ausdifferenzierte Rolle, andererseits besitzt die Serie einen reichen Fundus ebensolcher starker Figuren; Christine Baranski als Diane Lockhart ist beispielsweise eine tolle Figur.

Würde man den Bechdel-Test auf Serien anwenden, müsste sich The Good Wife jedenfalls keine allzu großen Sorgen machen.

Being Erica

© CBC

Als abschließende, kurzen Erwähnung. Christian hat Schuld.

Der etwaige Charme der Serie liegt nicht zuletzt und zu großen Teilen an der Hauptdarstellerin. Die Serie hat zwar „Seele und Herz“, doch das reicht nicht immer aus, um das letztlich generische Format sowie die Abläufe – gerade in den weiteren Folgen – zu überdecken. Being Erica ist daher passend für die episodenweise Dosis Kitsch, Herzschmerz und Zuversicht zwischendurch, mehr darf es dann aber auch nicht sein. Will es mitunter auch nicht sein.

Das Bildmaterial ist (natürlich) nicht meins. Wie angegeben.

Freitag, 1 April 2011

2 Stimmen

# ben_

Wenn man den Artikel nur runterscrollt, sich die Bilder anschaut und den Text ignoriert, so stellt ich doch ein leichter Würgereiz ein. Was für obszöne Zerrbilder von Menschen!

# fym

Aber die sind doch alle so glücklich, ben_!

Danke, ben_. Du hast mir mit dem Kommentar ein Quasi-Nachtrags-Blogoff just dazu vorausgegriffen und somit versaut. Du Unhold, du.

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