vieler2nichts

Zu Recht untergegangene Gedankenfetzen der letzten Wochen und Tage. Ursprünglich gehoben und wieder in Versatz gebracht:

Siegfriedplatz- und moBiel-Edition

Die Rolltreppe gibt beim Betrieb ein Quietschen von sich, dass ebenso für unzählige gequälte Schreie gehalten werden könnte. Während ich mich derart bequem und faul ans Tageslicht hieven lasse, stelle ich mir vor, wie am Rollband der Treppe Ketten hängen, die 3 bis 4 Stockwerke weiter unten von kleinen Kindersklaven in stickiger, verpesteter Luft gezogen werden müssen. Ein kurzer Moment des schlechten Gewissens macht sich aufgrund dieses aufblitzenden Gedankenbildes breit, da bin ich auch schon oben angekommen. Ausgeruht.

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Wie viele andere Dinge auch können Fahrstühle seit geraumer Zeit gekünstelt sprechen. Diese Stimmen sind hilfreich, erklären sie einem doch, wo man sich beim Verlassen des Metallkasten befindet. So auch jene Fahrtenkabine am Siegfriedplatz, in der eine Damenstimme (die ein bisschen so klingt, als sei sie 3 Mal ohne hörbaren Erfolg durch Auto-Tune gejagt worden) in gekünsteltem Tonfall beispielsweise die Info zum Besten gibt: „Ausstieg Siegfriedplatz!“ Das jedoch derart, um aus einer Information quasi per Intonation einen Befehl werden zu lassen.

Nicht so für die unterste Etage. 10 bis 15 Meter unter der Erde hebt die Stimme der Durchsage bei Öffnung der Tür an: „Ausstieg… Siegfriedplatz?“ Ich fühle mich unwohl. Wenn die allwissende Stimme schon nicht sicher ist, was bleibt dann noch?

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Fragte mich, ob die Zugführer der Stadtbahn irgendwann im Laufe des Tages aufhören, sich bei Entgegenkommen gegenseitig anzublinken? Die Fahrten gehen(zumindest mehrheitlich) lediglich von Punkt A zu B, wieder zurück und wieder und wieder und wi— Einmal ist höfliche Floskel. Ab welcher Anzahl wird es nervendes Ritual?

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So oft, wie an mir Busse mit der Beschriftung „Dienstfahrt“ vorbeirauschen, frage ich mich, ob der hiesige ÖPNV inzwischen den Fahrern Zweitbusse für die private Nutzung zur Verfügung stellt.

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Wir finden es toll wie freundlich die bei Pollmeier immer sind. Egal wie voll es ist. So kauft man entspannt ein. Und so genießen wir gerne.
– Jana & Christoph, Stammkunden

Werbeaufdruck auf den Papiertüten genannter Bäckerei

Testimonials nicht-prominenter Personen (oder in den meisten Fällen eher: Charaktere) als Werbeform sind ansich schon unsinnig. Doch bei diesem pollgemeierten Unsinn ergeben sich ein paar Umstände und Fragen:

Liebe imaginäre Jana, lieber imaginärer Christoph, könnt ihr mir bei Gelegenheit erklären, wie ihr gegebenenfalls (natürlich nicht in jenem Geschäft) unentspannt genießen könnt? Das würde wohl nicht nur mir im Alltag ungemein helfen.

Meint ihr (bzw. euer Texter) mit „die“ die Mitarbeiter des Geschäfts oder alle Personen, die zugegen sind? In Lockerheit liegt häufiger Unschärfe, müsst ihr (beide) wissen. Das Wörtchen „immer“ hat mich außerdem zuerst verwirrt. Aber ich nehme an, dass ihr das nur auf eure (imaginären) Besuche bezogen habt und nicht quasi im Geschäft wohnt(?)

Darüberhinaus würde ich nur zu gerne wissen, ob ihr die kognitive Dissonanz eures Texters teilt, nach welcher sich der Grad der Entspannung einzig danach richtet, ob man vom Verkäufer freundlich-gezwungen angelächelt wird? Selbst, wenn man im überfüllten Geschäft keinen Arm mehr bewegen kann? Ich frage nur, weil für mich die äußeren Umstände bedeutender wären als aufgesetzte Floskeln. Vielleicht kann euer Geist physische Gegebenheiten beeinflußen? Lasst es mich bei Gelegenheit imaginär wissen – oder leitet die Fragen an euren Schöpfer weiter. Danke.

Freitag, 24 September 2010

Stimme erheben