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»Mad Men«

In den letzten Wochen tauchten immer wieder die Mad Men in meinem Feedreader auf. So oft, dass man zur Überzeugung hätte gelangen können, es sei klammheimlich eine virale Kampagne in deutschen Blogs initiiert worden. Sowas ruft in mir allen voran immer erstmal eine Abwehrhaltung hervor. Vor allem dann, wenn ich mit den sonstigen auf den jeweiligen Blogs gelesenen Empfehlungen nur selten d’accord gehe. Das ist ein minderwertiger, schubladiger Charakterzug, ich weiß es selbst.

Ich und meine diffuse Abwehrhaltung sind jedoch eingeknickt – denn es gibt – glücklicherweise – auch das genaue Gegenteil oben beschriebener Publikationen. Anders ausgedrückt: Ich hänge inzwischen am Haken der Mad Men.

Dabei fand ich gerade die Machart des Piloten unsäglich. Es mag situationsbedingt gewesen sein, doch im Gegensatz zu den restlichen Folgen (zumindest derer, die ich bisher gesehen habe) ermüdete mich der wenig subtile Ablauf des Ganzen. Der Rückblick auf diesen speziellen, nicht lange zurückliegende, Zeitabschnitt und der bewusst gesetzte Kontrast mit dem uns vertrauten wird in der ersten Episode geradezu mit dem Vorschlaghammer bearbeitet. Schaut her, die Mad Men rauchen, saufen, sind sexistisch – und für ihre Zeit völlig normal. Zwinker. Danke, ich habe das nach dem ersten Gelage bereits verstanden. Es war auf der Länge der Episode für mich erstmal nur eins: ermüdend.

Ich schaue aber schon lange genug Serien, um es in solchen Situationen nicht mehrheitlich beim Anschauen des jeweiligen Pilots zu belassen. Und rückblickend betrachtet, war genau diese erste Folge wohl auch so und nicht anders nötig. Mad Men besitzt nämlich mindestens eine überzeugende Eigenschaft: Ruhe. Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass der Macher der Serie zuvor, von David Chase höchstpersönlich, für die letzten zwei Staffeln der Sopranos an Bord geholt wurde. Die ästhetische Verwandtschaft ist – abseits des 60’er Jahre Ambientes – gerade in dieser stillen, ruhigen und mit soviel Liebe und Hingabe produzierten Art ersichtlich.

Wie bei den Sopranos, reizen hier genau jene ruhigen Einstellungen, Bildkompositionen und Inhalte. Denn die oben genannte „Ruhe“ findet sich ebenso auf inhaltlicher Ebene. Über alle Dialoge liegt das Unausgesprochene, das Nicht-Gesagte. Die Charaktere schleudern ihrem Gegenüber (und damit dem Zuschauer) nur höchst selten verbal das eigene Seelenleben entgegen. Und als Zuschauer, will eine Serie auch nur den Hauch einer Chance haben, von mir ins Herz geschlossen zu werden, erwarte ich nichts Geringeres. Ein Drama ist kein Mittags-Talk, es muss tiefer gehen und den Zuschauer zu eigenen Gedanken anregen können.

Oh, wie wunderbar. Ich bin einer Serie verfallen, deren äußere Handlung in einem Bereich spielt, den ich zutiefst verabscheue. Das passt, das reizt. Das ist gut.

Donnerstag, 24 September 2009

2 Stimmen

# Thomas

Verdammt, ich habe die Serie nach dem Pilot schon abgeschrieben. Setzen, Nachhilfestunde in Serienkunde. Danke.

# fym

Nimm dir bloß kein Beispiel, Thomas. Mein Verhalten hat mir nämlich im Gegenzug schon wahrliche Enttäuschungen beschert. „Gute Entdeckung“ vs. „zuschauende Agonie“ – das hält sich nämlich so leider überhaupt nicht die Waage.

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