Cecelia Ahern frisst Vampire auf

Die in den letzten paar Tagen gelesenen Empfehlungen für HBOs True Blood haben es mich wieder merken lassen: Der Vampir als Rolle, als literarisch-gesellschaftliche Reflexionsfläche und poetisiertes Symbol ist tot.

Über die Jahre ist, wohl im Bestreben der Figurenkonstitution einen neuen Dreh, eine neue Dimension beizumengen, eine Verwässerung vollzogen worden, an deren Ende sich problemlos in der Masse neben schon erwähntem True Blood auch so ein veroberflächlichtes Geschreibsel wie Twilight erblicken lässt. Vampir-Mythos goes Cecelia Ahern.

Der HBO-Show kann man, wenn man denn gnädig gestimmt ist, wenigstens noch den Versuch positiv ankreiden, anhand der Blutsaugergestalten Übertragungen auf gesellschaftliche Probleme/Misstände tätigen zu wollen. Die kommen bei True Blood allerdings so plump daher, dass im Endeffekt auch nicht viel mehr übrigbleibt, als eine versüdstaatlichte, mit mehr Gewalt und Sex versehene, Ausgabe Twilight.

Bei jener Serie wiederum, diesem Harry Potter des Genres, ist die Verwendung und Gegenwart der wunderschönen Ewigjungen als manifestiertes Symbol so nichtssagend und austauschbar, wie es nur irgend möglich ist. Die Autorin drehte auch hier einfach alles an potentiell verwertbarer Quellen durch den Quirl, um anschließend einen verqueren Mix aus Blümchensex-Erwachsenwerden und Frauchen-Mentalitäten zu einer kaum konsistenten Masse zu kneten. Eine Masse, die ebenso dem Hirn eines 9-jährigen Mädels entsprungen sein könnte, dass sich gerne auf Konzerten ihrer angehimmelten Jonas Brothers die Seele aus dem vorfreudigen Leib schreit.

Die ohnehin schon gängige romantisierte Verwendung hat einer reinen notdürftig-literarischen Umsetzung Platz gemacht, die nicht über oberflächliche und simplifizierte Beschreibungen der ersten „Schmetterlinge im Bauch“ hinwegkommt, es nicht einmal im Ansatz versucht. Damit also genau dem vorherrschenden Zeitgeist entspricht.

Die Vampir-Gestalt als Mitglied einer Boygroup.

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