»Hart aber…« aber was?

Was hat es eigentlich damit auf sich? Es gab Zeiten, da empfand ich Hart aber fair als Titel treffend und die entsprechende Sendung gut. Sie war Abwechslung von all den bestimmenden und eingeengten Christiansens, Wills und Maischbergers und schien auf ihre Art das alte Talkshow-Format beherzter und vor allem konsequenter durchzuziehen. Freilich: der Sinn, der letztliche Nutzen derlei medialisierten Redens tendierte auch bei ihr gegen Null. Es ist Unterhaltung, die ihren selbst propagierten Anspruch und Zweck allein durch ihre äußere Form, ihren Kontext, nie erreichen oder gerecht werden kann. Egal, wie sehr man auch den Diskurs-Begriff umherjongliert.

ktylerconk (flickr / CC)

Aber was hat es damit auf sich, dass ich sie seit einiger Zeit überhaupt nicht mehr sehen mag. Vom Eskapismus habe ich mich nicht losgesagt, das kann es also nicht sein. Trotzdem empfinde ich Plasberg und Redaktion nun schon seit geraumer Zeit als geradezu unerträglich. Und ich kann nicht einmal sagen, ob nun unerträglich polemisch, reißerisch, engstirnig, voreingenommen oder von allem etwas. Ausschlaggebend werden wohl auch die Sendungen gewesen sein, bei deren Themen ich kein vollkommen unbeschriebenes Blatt bin und die deutlich offenbart haben, was Plasberg und Redaktion bisweilen unter Recherche verstehen und wie unausgewogen und konsequent Gegenstimmen außen vor gelassen werden. Dass solche Fahrlässigkeiten dann im Geiste von der einzelnen auf die gesamte Sendung übertragen werden, ist nicht zu verhindern.

Aber so geht das halt– jede einzelne Ausgabe ist und muss Prüfung sein für die gesamte Serie. Einzelne Ausrutscher können vorkommen, sind aber nicht zu verzeihen, wenn sie mit einer regelmäßigen Unregelmäßigkeit zutage treten, die erschreckend ist. Die Dinge, die wir nicht wissen…

Vielleicht hat es aber auch nur seine Zeit gebraucht, um die Verblendung durch diese inszenierte Konsequenz und vermeintliche Geradelinigkeit abzuschütteln. Denn letzten Endes ist auch die Hart aber-Runde nur paradoxe Phrasenschubserei. Sie bringt nichts und doch kann ein Wechsel, eine einigermaßen bedeutsame Verschiebung wichtiger und nötiger Diskurse heute einzig über sie erfolgen. Ver-rückt. Alles.

…wir sind verdammt.

3 Stimmen

# Daniel

Fällt dieser von Dir empfundene Qualitätsabfall zeitlich mit dem Wechsel der Sendung vom WDR in die ARD zusammen?

# fym

Nicht wirklich. Da gab es schon ab ca. 2003 Sendungen, die ich bewusst als „mies“ einsortiert habe. Allerdings, wenn du schon so fragst, kann ich mich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass seit dem Wechsel der Ton der Sendung vollends ein anderer geworden ist. Ein bisschen polemisch war man dort zuvor auch schon, aber das war eher spielerischer und bewusst provokanter Ton; hatte Methode und diente einem Zweck. Inzwischen ist er weder das eine, noch das andere, so scheint es.

# Daniel

Ich dachte es mir fast…

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