Im Rahmen ausgefranst

Diese außergewöhnliche Werbung fällt auf – allerdings negativ: ProSieben bewarb am Freitagabend eine neue Serie mit einer gefakten Sonderausgabe von „Newstime“ – und sorgte zwei Tage nach dem Amoklauf von Winnenden insbesondere durch den Breaking News-Charakter des Trailers für Empörung. Ein Kommentar…

Geschmacklose ProSieben-Werbung mit Nachrichten-Fake (DWDL)

Wenngleich auch eine allgemein treffende Umschreibung, bezieht sich hier die gedoppelte Redundanz im Titel speziell auf die gestrige PR-Aktion ProSiebens, mit der man für den Start der Serie „Fringe“ werben möchte. Am Set und mit dem Moderator von ProSiebens Newstime wird darin ganz im Stile einer Fringe-Geschichte über ein Neugeborenes in New York berichtet, welches schon während und nach der Geburt exponentiell gealtert sei. Kompletiert wird das Ganze im Hintergrund von einem netten blutigen Bildchen des soeben „geschlüpften“ Menschen.

Im Grunde schafft dieser Clip genau das, was er beim gemeinen Zuschauer tun soll – shock value, Aufmerksamkeit schaffen und so weiter.

Überzogen ist sicherlich das Einschwenken in die großen Betroffenheits- und Empörungsschleifen, welche dieses Stück PR nun sofort auf die Geschehnisse in Winnenden beziehen und einengen wollen. Thomas Lückerath ist sich dafür in obigem Kommentar auch sogleich nicht zu schade. Aber hey, man gibt ja schließlich nur das weiter, was „unzähligen Kommentaren im Internet und mehreren dutzend entsetzter eMails zu entnehmen“ ist und war… Katze in den Sack und draufknüppeln, schon klar.

Was an der ganzen Sache – abseits dieser erzwungenen Querverbindungen zum bestimmenden medialen Thema Winnenden – allerdings schön nach hinten losgeht, ist die Tatsache, dass man hier das bei den Privaten – und allen voran von ProSieben – so geliebte Crosspromotion-Gedöns auf eine Ebene gehievt hat, die nicht einmal mehr suggeriert, noch etwas wie natürliche Barrieren zu kennen. Da ist sich der |Journalist|Moderator des Ganzen eben nicht zu schade, für die gemeinschaftliche Haus-Quote eingespannt zu werden. Darüber braucht man sich letzten Endes aber auch nicht empören, ist schließlich nichts Unbekanntes– We love to entertain you.

Hätten die P7-Leute allerdings noch soetwas wie einen Funken an Verstand, hätten sie wenigstens den Titel der zu bewerbenden Serie durchgängig in irgendeiner Ecke eingeblendet. So, aber? Erst recht alles Makulatur.

2 Stimmen

# Thomas Lückerath

Guten Morgen,

verstehe Deine Kritik nicht. Wir teilen im Grunde die gleiche Meinung. Und wenn mich – was eben ungewöhnlich ist – gleich dutzende eMails erreichen, in denen man sich über diese Werbung empört, dann ist das nicht der Anlass für die Story. Aber es untermauert die Sichtweise. Gerade vor dem Eindruck dessen was am Mittwoch passiert ist, hat selbst mich in der Werbepause eine unerwartete Breakingnews zunächst einmal zusammenzucken lassen. Da ich „Fringe“ allerdings schon gesehen habe, hat sich das für mich schnell aufgelöst.

Die PR-Aktion hat sicher ihren Zweck erfüllt. Erst recht, wenn jetzt jede Website und jedes Blog den Namen der Serie weiterträgt. Hab ich absichtlich nicht getan. Aber so gerne ich Privatfernsehen gegen unsinnige Kritik verteidige: Hier war es geschmacklos. Und die ProSieben-Nachrichten haben sich noch lächerlicher gemacht als sie ohnehin schon waren.

Liebe Grüße,
Thomas

# fym

Ja, wir teilen da im Grunde die gleiche Meinung.

Wenn ich eine Kritik an diesem, deinen Text habe, dann in der Tat wirklich die geknüpfte Verbindung zu Winnenden. Ja, sie mag für dich nicht der Anlass sein, aber wenn man es schon im Teaser erwähnt, dann mutiert dieser Aspekt unweigerlich zum bestimmenden Hook der Geschichte. Gerade dann, wenn davon in gut der Hälfte des selbigen gesprochen wird. Zumal die Abgrenzung zwischen dem, was du möglicherweise dabei empfunden hast und dem reinen Weiterreichen des Feedbacks und der Eindrücken Einzelner (bewusst?) vermengt wird. Das schmeckt eben nicht und sorgt bei mir für einen faden Beigeschmack des ansonsten treffenden Textes.

Denn gehört nicht ein wenig Reflexion dazu? Wenn, warum assoziiere ich das nun mit Winnenden? Und ist das, im Nachhinein und mit ein wenig Abstand betrachtet, gerechtfertigt, balanciert und von so großem Belang für die „Empörung“ über dieses PR-Laienstück? Ich denke nicht. Und ich hatte nicht den Eindruck, dass es das im Grunde für dich war. Genug weitere Gründe hast du ja anschließend an diesen Winnenden-Exkurs gegeben.

Im Übrigen: Aufgelöst hat sich das Ganze doch spätestens bei diesen knuffigen „Amateuraufnahmen“, auch wenn man die Serie nicht kennt. Und ganz persönlich habe ich nicht einmal an Winnenden und Co. denken müssen, trotz medialer Dauerbeschallung der vergangenen Tage. Perspektive eben.

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