»Wir schreiben Maschinen«? Diathesen

Ich bin kein Programmierer. Ich bin kein Webdesigner. Und trotzdem habe ich das diffuse Gefühl, „Wir schreiben Maschinen“ sei so nicht treffend, zumindest perspektivisch eingeengt, zu unvollständig.

Ein diffuses Gefühl der Ahnung, dass in der Konsequenz der kulturellen, d.h. der schriftlichen/sprachlichen und maschinellen Verschmelzung vielleicht zum ersten Mal so etwas wie eine wirkliche Sprachhoheit entstanden ist bzw. weiterhin im Begriff ist, zu entstehen. Und ohne diese selbst zu bewerten, herrscht dabei ein dumpfer Unterton in mir vor, der mir sagt: Da ist sie nun und sogleich liegt sie nicht wirklich in euren Händen. Und gerade weil in dieser Verschmelzung zwei Dinge kulminieren, die so passend sind, entsteht durch sie im Folgenden eine Instanz. Eine Instanz, welche sich selbst in einem eigentlich hierarchielosen Raum hierarchisierte Bedeutung verleiht.

_Wir schrieben Maschinen.
Maschinen schreiben.
Wir werden geschrieben.
Wir schreiben beschrieben._

Sonntag, 15 Februar 2009

4 Stimmen

# ben_

Ja, ja und nochmal ja. Aber auch nein.

Ja, „Wir schreiben Maschinen“ ist selbstverständlich „eingeengt, zu unvollständig“. Es ist eine Überspitzung, die den Fluchtpunkt aufzeigen soll, auf den es hinausläuft.

Ja, digitale, künstliche Sprachen stellen in der Tat eine Sprachhoheit her, die evtl. absoluter sein könne, als das zuvor möglich war. Wobei uns klar sein muss: Sprachhoheit im Sinne von Schrifthoheit war mit Ausnahme der letzten zwei Jahrhunderte die Norm.

Und ja, damit geht auch einen Bedeutungshoheit einher. Das ist aber ein Gefahr die nicht alleine den Programmiersprache inne wohnt, sondern dem ganzen Netz gemein ist. Die beiden Bedeutungshoheits-Skandale der letzten Woche „Wilhelm“ und „Kurani“ geben davon deutliches Zeugnis.

Und. Nein! Künstliche, digitale Sprachen und natürliche Sprache stehen am Beginn einer Koevolution, die schon in wenigen Jahrzehnten eine ganz neue Schriftsprachkompetenz, und ein neues Brügertum mit sich bringen wird.

Ich bin Artifex.

# ben_

Und um es nochmal anders zu sagen: Danke für die Beschäftigung mit den Ideen. Danke für Deine eigene Perspektive. Und danke für die Lyrik.

# fym

– Ist mir schon klar gewesen, nur würde ich eine eigene Überspitzung eben in der entgegengesetzten Richtung verankern (siehe zwei Punkte weiter)

-Schrifthoheit ist klar, mir geht dabei aber der Gedanke an die erwähnte Verschmelzung im Zuge der vollkommenen Vereinnahmung durch die mechanisch-digitalen Seite nicht aus dem Kopf. In ihrer Vollendung, also in der zukünftig von digitaler Sprache durchtränkten Welt, simpel: im Alltag– entsteht dadurch nicht ein allmächtiges Gefüge, dass nur noch sich selbst kennt? Schrifthoheit war bisher die eine Ebene, Sprachhoheit die andere. Zusammengehörig, aber eben nicht zwangsläufig vereint. Ich sah das beides bisher immer als zwei sich (potentiell) erweiternde, einschränkende, ausgleichende sowie berichtigende Pole.

– Hinter diesem dann vorhandenen, allmächtigem Gefüge ist die Frage nach einer Bedeutungshoheit dann nicht bedeutungslos? Wo wären dann in oben erwähnter Art noch derlei Pole zu verorten? Daher würde ich, wenn man sich einer Überspitzung bedienen, eher zum Passiv als zum Aktiv greifen.

– Ich wünschte es mir, ein neues Verständnis von Text, Sprache, Schrift — der Welt, ein entsprechendes Bürgertum. Ich mag daran aber, unter obigen wirren Gedankengängen, nicht so recht glauben.

Hm. Spätestens noch mal nach der Illich-Lektüre ran-denken.

# fym

Hehe, das klingt wie „Wir bedanken uns für das Gespräche und melden uns dann be…“. Und huch, das war Lyrik? Sowas, wie hat die sich denn hier reingestohlen? Unerhört…

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