»Religulous«

Klar war es damals schon und jetzt nach dem Sehen: Wer eine echte Dokumentation, eine sachliche und faire Diskussionen zum Thema Glaube und Religion haben möchte, der braucht sich Bill Mahers „Religulous“ erst gar nicht anzuschauen. Der Kofferwort-Titel ist Programm und das Ganze mehr Comedy (oder vielmehr Tragikomödie) als wirkliche Dokumentation. Da darf man sich bei einem Film von Larry Charles und Bill Maher mit diesem Thema keinen Illusionen hingeben. Zumal Maher, eigentlich unnötig, gleich zu Beginn von „Religulous“ seine eigene Position klarstellt.

Eine ausgewogene Betrachtung wird nicht geboten und verdammt, ich nehme es den beiden auch nicht übel. Natürlich ist es ein Leichtes, die verschrobensten und fundametalistischsten Vertreter diverser Glaubensrichtungen vor die Kamera zu setzen und sie sich selbst – mittels zurechtgeschnittener Fetzen – demontieren zu lassen. Leicht ist es, nicht dokumentarisch und genau das, was im Film die meiste Zeit getan wird. Es ist Moore auf Religion, dabei aber von Beginn an ehrlicher. Und im Gegensatz zu Moores Filmchen, ist es eben neben aller Traurigkeit zugleich ungemein witzig. Gerade auch deshalb, weil Maher zu keiner Zeit ernsthaft versucht, den auf Verständnis abzielenden Interviewpartner abzugeben. Für ihn sind sie bzw. ihre Ansichten schlicht lächerlich und das zeigt er ihnen, stets auf Konfrontation bedacht, unverholen mit einfachster pragmatischer Rhetorik auf.

Religulous ist kein theologischer Diskurs in filmischer Form. Er kann am wenigsten als Überzeugungsversuch gelten. Es ist verfilmter Rant in einem doku-artigen Format, mehr nicht. Aber ich gönne es Leuten wie Maher von Herzen.

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