Mediale Knechtschaft

Da lief gestern „Kuschelrock – Die schönsten Liebesgeschichten“ mit Kai Pflaume auf Sat.1 und diese abendliche Werbesendung war für den Sender quotentechnisch wohl ein Desaster. Gut so. Was ich allerdings beim Zappen mitbekam, war surreal. Und nicht im positiv-romantischen Sinne.

Zu Gast waren irgendwelche Promi-Paare, die sich zwischen aller musikalischen PR-Liebe hin und wieder zu Wort melden durften. Unter anderem – die dürfen bei so einer Sache wohl einfach nicht fehlen – Jana Ina, Giovanni Zarrella, Sky Dumont und Mirja Becker (gedankt sei dir, Wikipedia…) Beim Reinzappen gestaltete sich das Ganze wie folgt:

Jene zwei Paare auf der Bühne. Alle vier stehen für sich in abgetrennten Abteilen, haben eine kleine Tafel und einen Stift in der Hand. Moderator Pfläumchen stellt Fragen, deren Antworten niedergeschrieben und anschließend verglichen werden sollen. Frage vom Pflaumkuchen: „Was war der ungewöhnlichste Ort, an dem ihr jemals Sex hattet.“ Ui. Ui. Gekicher im Saal und bei der D-Prominenz. Giovanni ruft seiner Frau beständig ein „Sei ehrlich, Schatz!“ zu und beginnt sogleich, wild auf der Tafel rumzukritzeln. Gattin Jana steht nun für gefühlte fünf Minuten im Rampenlicht und gibt beständig ein „Aber das ist so peinlich!“ von sich. Nachdem alle ihre Antworten aufs Täfelchen gebracht haben, bittet Pflaume der Reihe nach jeden darum, seine Antwort zu zeigen. Giovanni, begleitet von den leichten „Das ist so peinlich!“-Zwischenrufen seiner Frau, dreht sogleich seine Tafel herum. Er kann es nicht abwarten. Danach ist Jana Ina dran. „Aber das ist sooooo peinlich. Oh Gott, so peinlich!“ hört man es aus ihrem Munde. Und man will ihr zurufen: Wenn es dir wirklich so peinlich ist, dann zeig doch einfach nichts! Wie sich das aber für Leute gehört, welche sich nur zu gern von Fernsehkameras begleiten lassen, dreht sie dann doch das Täfelchen um, zeigt ihre Antwort.

Und man kann sich die Frage stellen, welchem von den zwei Zwängen sie erlegen ist. Wahrscheinlich beiden.

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