Neuer Watchmen-Trailer und überhaupt

Von der Bit-Ökonomie rückwärtsgerichtet ins Materielle. Dank eines spendablen Seelchens erhielt ich die Tage das TPB von Watchmen und habe den Comic sogleich wieder verschlungen. Nur dieses Mal eben in analoger Entspannung.

Passenderweise ist nun zugleich der neue Watchmen-Trailer zusammen mit Quantum of Solace rausgekommen. Daher nun ein kleiner, listenhafter Abriß der Dinge, die mich schon im Trailer/Teaser stören:

  • Der Schlumpf alias Doctor Manhattan hat sich für seinen Film ein zeitgemäßes Sixpack zugelegt. Ginge ja sonst nicht. Ob er extra für den Film häufiger eine Hose anhat, muss sich noch zeigen. Stimmlich ist er jedenfalls zu schwach auf der Brust.
  • Stimmlich zu schwach ist der Rorschach des Films jedenfalls nicht. Und das ist etwas, was in meinen Augen überhaupt nicht passt. Rorschach ist für Watchmen das, was Wolverine für X-Men ist; der kleine Rechte ist Aushängeschild, Wappen, Galionsfigur des Comics, da zugleich narrative Stimme. Und diese Stimme war für mich immer die eines Psycho- und Soziopathen. Sie ist gleichmäßig, kurzgebunden, ausdruckslos, einfach mechanisch. Sie ist vielleicht einiges, aber ganz bestimmt nicht markant, eben ohne jegliche besondere Betonung. Und das bleibt auch bis Gegen Ende des Comics in meinen Augen und Ohren beim Lesen so. Im Film weiß ich nicht, ob ein ergrauter Batman mit übertriebenem Vibrato spricht, gar einer der Trailer-Sprecher oder das tatsächlich Rorschach sein soll.
  • Silk Spectre (Laurie Juspeczyk) schaut aus wie… nun, das bleibt hier besser ungeschrieben.

Abseits des Trailers gibt es aber noch mehr abstoßende Details zu hören. Die in das Comic integrierten Bestandteile (die Geschichte in der Geschichte Tales of the Black Freighter, die Ausschnitte aus Under the Hood ect.) werden, wenn überhaupt, extra als Features vermarktet. Heisa! Nicht genug, dass die Geschichte selbst mit ihrer anvisierten Laufzeit von 2 Stunden und 43 Minuten wie eine Presswurst erscheinen muss, man schneidet kurzerhand eben einfach wichtige Bestandteile aus ihr aus, ob nun aus Laufzeit- oder Budgetgründen. Man will halt doch am meisten die kostümierten Leute sehen, schon klar.

Außerdem scheint das Ende geändert worden zu sein (wer mag, klick). So ein bisschen Lovecraft-Anspielung darf man dem gemeinen Zuschauer auch gar nicht zumuten. Würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn man auch in dieser Hinsicht „modernisiert“ und offensichtliche gegenwärtige Bezüge reinbringt. Snyder und Studio traue ich alles zu. Aber im Prinzip ist es auch nicht deren vollkommene Schuld.

Der Stoff ist einfach nicht als alleinstehender Film umsetzbar. Punkt. Am ehesten würde noch eine Miniserie dem gerecht werden können, aber das hat man wohl sehr früh, sehr schnell ad acta gelegt. Das Medium ist letztlich nicht egal, man kann nicht einfach wechseln. Leider gilt wohl doch bisweilen: the medium is the message. Und irgendwas geht bei der Transformation, wie die treffende Bezeichnung schon selbst von sich gibt, immer verloren. Ob man das akzeptieren mag? Nun…

Dreiberg: Rorschach…? Rorschach, wait! Where are you going? This is too big to be hard-assed about! We have to compromise…
Rorschach: No. Not even in the face of Armageddon.
Samstag, 15 November 2008

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