Graffsches Feuer

Neuere Studien über das Lesen am Bildschirm befeuern die Kritiker an der Computerisierung der Klassenzimmer: Der Sinn von Texten werde so nicht richtig erfasst.

Bernd Graff: Der freie Fall der Sehlinie (sz)

Ja, schon klar, dass bei den Onlineablegern der Offlineverleger in Bezug auf Artikel die Maxime gilt: Im Text keine Links! Und wenn, dann bitte nur intern, auf das eigene Angebot. Das ist nicht nur eine Beleidigung der Intelligenz der Leser, also dieser gewollten Klicklieferanten, es ist mitunter exakt diese Handhabe, die potentiell mehr Klicks verhindert.

Es ist schon klar, aber könnt ihr, geschätze Qualitätsmedien, nicht wenigstens hin und wieder eine Ausnahme machen? Wenn Bernd Graff zum Beispiel eine Studie als Aufhänger für einen seiner latenten „Technologie ist böse, besonders dann, wenn sie droht, einem selbst den Rang abzulaufen“-Texte benutzt, wäre ein Link doch gar nicht so verkehrt, oder? Ich verlange doch als Leser nicht zu viel, wenn ich in der Hinsicht gerne ein bisschen Absicherung, manche nennen das manchmal Quellenarbeit, haben möchte? Die drei verlinkten SZ-Artikel im „Mehr zum Thema“-Kasten genügen mir jedenfalls nicht.

Es ist natürlich hin und wieder auch so, dass man einfach keinen Link setzen kann. Ich hätte bei dieser ominösen von Graff erwähnten Studie zum Leseverhalten auch meine Probleme, selbst einen Link anzugeben. Ich finde nämlich nur einige Sachen aus dem letzten Jahr oder aus noch älteren Zeiten– was ja durchaus nicht weiter schlimm ist, ich bin schließlich kein in der Recherche versierter Journalist, nicht? Auf welche Studie bezieht sich der Autor nun? Es kann ja durchaus sein, dass dieses Papier so taufrisch ist, dass es schwierig ist, da einen Link zu finden, aber so eine kurze Quellenangabe, vielleicht am Ende des Textes? Wie wär’s?

Ich weiß jedoch, dass Nielsen und seine Gruppe (Urheber dieser Studie) im Bereich (Web-)Usability tätig ist, weshalb ich einfach den Skeptiker raushängen lasse und vorsichtig bin, einem (wohl) unter diesen Gesichtspunkten getroffenen Fazit eine dermaßen hohe Bedeutung für Allgemeinzustände anzuhängen bzw. beides für wilde Argumentationen zu vermischen. Und, das behaupte ich jetzt einfach, ich merke: Trotz der auf weniger als 1/3 der Gesamtseite zusammengequetschen kleinen Buchstaben und der animiert-flimmernden Werbeanzeigen direkt daneben, scheine ich den Sinn des Graffschen Textes erfasst zu haben. Ich Glücklicher.

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