Geahnte Antworten, dort und hier

Peter Ustinov hat einmal folgenden bemerkenswerten Satz gesagt: „Wir haben alle die gleichen Zweifel.“
Da sind sich die Menschen offenbar einig. Dort, wo gründliche Fragen über das Leben gestellt werden, sind Zweifel angesagt und erlaubt. Nur, wer entschieden und ehrlich nachfragt, kann damit rechnen, neue, ungeahnte Antworten zu erhalten.

zweifeln-und-staunen.de

Stimmt, liebe ProChrist e.V., Ustinov sagte mehrmals, dass es die Zweifel sind, „die die Menschen vereinen.“ Aber kommt es nicht auf den Zusatz an, welchen er an diesen „bemerkenswerten Satz“ angefügt hat? „Ihre Überzeugungen trennen sie.“

Und das ist das Problem an eurem Anspruch, dem Ziel. Es geht nicht um „ungeahnte Antworten“, es geht um sehr berechenbare und fokusierende Antworten (Stichwort Lebensübergabe), die die Menschen erhalten sollen, wenn sie mit euch auf eurer „Zweifeln und Staunen“-Tour („ProChrist mobil“) diskutieren. Es geht um die Evangelisierung, um Missionierung. Also darum, eine jener trennende Überzeugungen zu verbreiten.

Die erwähnte Tour besteht darin, dass zwei Container (ein zweifelnder, ein staunender) zusammen irgendwo in einer Stadt abgesetzt werden. Der Fokus: die Ausrichter suchen das Gespräch mit den Leuten und befragen sie nach ihren Fragen, Zweifeln, Problemen. Man kann diese Dinge ebenso aufschreiben und die Leute von ProChrist sorgen dafür, dass die eigenen Mitglieder für denjenigen beten. remote prayer also auch hier hierzulande, eine pseudo-wissenschaftliche Absicherung und nebenbei auf Umwegen der Versuch, eines wissenschaftlichen Gottbeweises. Wenn man glaubt. Im mobilen Zweifeln-Häuslein prangt ein Zitat an der Wand: „Um mit Gewissheit zu glauben, müssen wir mit Zweifeln anfangen.“ Je nach Perspektive ein wundervoller Satz. Beständiger Zweifel im Umgang mit dem Glauben. Nichts daran ist verkehrt. Aber auch: dogmatischer Glaube bedingt Zweifel, er ist unter anderem Fundament. Denn wo Zweifel ist, ist auch die Hoffnung. Das Fundament kann durch Antworten, eventuell „ungeahnte“, mit Zement aufgefüllt und verstärkt werden. Die nötige Gewissheit ist dann vorhanden, was an anderen Zweifeln verbleibt, ist im Grunde für eine Institution kein wirklich entscheidendes Zweifeln mehr.

Auf einem Container steht die Selbstbeschreibung: „Container der Hoffnung“. Und für mich fasst das den Anspruch organisierten, dogmatischen Glaubens wunderbar zusammen, all seine positiven wie auch negativen Untertöne. Der Container der Hoffnung– der Zusammenhalt der Hoffnung. Aber continere hat eben noch weitere Bedeutungen: festhalten und einnehmen, beispielsweise.

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