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»Huff« – Staffel 1

flickr (CC)

Psychiater Craig Huffstodts Leben gerät aus den Fugen, nachdem sich in einer seiner Therapiesitzungen ein 15-jähriger Patient vor seinen Augen erschießt. Sichtlich unter Schock, versucht er trotzdem helfend seiner Frau Beth und Sohn Byrd zur Seite zu stehen und zeitgleich bei allen Zwistigkeiten zwischen seiner Mutter, Izzy, und Beth vermittelnd einzugreifen. Auf eine andere, als eine rechtliche Unterstützung von seinem besten Freund, Russell, darf Huff in diesem emotionalen Sumpf auch nur bedingt hoffen. Denn der liebenswerte Russell ist mit seiner exzentrischen Art, seinen Alkohol-, Sex- und Drogenexzessen, alles andere als eine Stütze in Huffs Leben und selbst ausreichend mit eigenen Dämonen versorgt. Einzig während der Besuche bei seinem Bruder Teddy schafft es Huff, einige seiner Gedanken auszusprechen, sich ihnen bewusst zu stellen. Kein Kunststück, ist dieser doch in einem Heim untergebracht und mental bisweilen stark beeinträchtigt.

Das klingt niedergeschrieben nach ziemlich abgeschmackter Soap. Huffs erste Staffel ist es aber nicht. Was die Serie ausmacht, ist ihre Zurückhaltung sowohl in Hinblick auf Huffstodts Charakter wie überhaupt der gesamten Familiendynamik. Ihre Psychologisierung der feingesponnenen Charaktere, was ich, zugegebenermaßen, von einer Serie rund um einen Psychiater auch erwarte. Jedenfalls wirkt da kaum etwas ge- und erzwungen, kaum etwas unnatürlich und gekünstelt überzogen. Ja, in der ersten Staffel überwiegen Szenen, die einzig die Familiencharaktere interagieren lassen, ohne diese dabei strikt von irgendwelchen, die Handlung bestimmenden, Geschehnissen umrahmen zu lassen. Das Ganze wird wiederum natürlich stark durch den Charakter Russell aufgelockert, der im Grunde als comedy relief eingesetzt wird, dabei aber wohl der — man verzeihe die Verwendung des Begriffes — tragischste aller Protagonisten ist.

Huff ist eine der Serien, zu denen ich eine hohe Affinität besitze: Charaktere im Mittelpunkt, deren Innenleben gezeichnet wird, ohne dabei zwangsläufig und übertrieben Worte zu gebrauchen und ohne dieses Innenleben beständig und zur Klärung, dem Zuschauer an die Stirn zu klatschen, damit dieser auch wirklich alles versteht; alles problemlos und ohne großartig eigene Denkleistung vorgesetzt bekommt. Bezeichnend in dieser Hinsicht sind die Besuche Huffs bei seinem Bruder. Meist nur Szenen von zwei, drei Minuten am Ende einer Folge, in denen sich Huff ein wenig öffnet. Aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. So dass ein Satz, den der 15-jährige Patient kurz vor seinem Suizid äußert, zugleich eine Aufforderung an den Zuschauer, vielleicht an alle Zuschauer, darstellt:

You’re supposed to be thinking about… what I’m feeling here!

Eine Stimme

Stimme erheben