Kommunikation im Zeitraffer. Gedanken.

Von ’99 bis jetzt in irgendeiner Form online gewesen. Das Netz dementsprechend ein Teil des eigenen Lebens. Wenn ich nun versuche, irgendwie diesen Abschnitt im Zeitraffer der Reflexion zu betrachten, muss ich an Wetterberichte denken. Da gibt es inzwischen die gefühlten Temperaturen. Ebenso meine ich bei versuchter Reflexion dieser Zeitspanne eine gefühlte Entwicklung zu erspähen.

Von Anfang an bin ich ein Forenkind gewesen. Über spezielle und weniger spezielle Themen diskutieren, sich streiten, sich gepflegt gegenseitig an die Hälse springen, Blödsinn und Blödeleien aus den Fingern saugen, irgendwelche sinnlosen Kommentare von sich geben– all diese Sachen eben. Im Grunde kann man das wohl alles unter einem Oberbegriff ablegen: Kommunikation. Ein Kind der digitalen Kommunikation . Pathetisch, ich weiß. Nun gibt es ja den bekannten Spruch, dass irgendwann einmal alles gesagt ist und da ist im Forenkontext durchaus was Wahres dran. Es schläft mit der Zeit viel ein, wenn sich kein ausreichender Generationswechsel vollzieht. Es wirkt so, als wird eine Generation geboren, bekommt das Sprechen, kurze Zeit später das situationsabhängige Schweigen, beigebracht und irgendwann hat man sich ausgesprochen, mag nicht mehr geradezu verschwenderisch Worte mit den Fingern bauen. Dann kommt die nächste Generation, schließt den Kreis und beginnt von Neuem.

Irgendwann muss in einem dieser Kreisläufe das zwonullige aufgetaucht sein. Irgendwann kam beispielsweise das Blog daher und hat, unter seinem engen Lichtkegel, ein paar Forennutzer und Potentielle verführerisch angeschaut. Die fanden es äußerst reizvoll, bot es ihnen doch ein eigenes gemeinsames Haus an. Ein Kommunikationshaus. Dessen Türen stehen auch weiterhin allen offen, aber es ist viel schöner. Es ist das eigene Haus, es besteht aus selbst hergerichteten Räumen und man kann einfach frei von der Leber weg sprechen. Ohne Anlass, sogar ohne wirklichen Bezug. Was hat ein Forum, ein fixer, angestammter Platz, dem noch entgegenzusetzen? Gewohnheit, vielleicht mag man es auch Loyalität nennen, seiner Nutzer? Reicht allein das in dieser punktgetrennten Zeit? Ein Forum über alles und jeden, über Gott und die Welt, ohne spezielle Gegenstandsthematik, hat kaum mehr Bestand. Es kann viel länger einfach keinen allumfassenden Bestand mehr haben. Zumindest nicht einen, der vergleichbar mit vergangenen Zeiten ist. Die Nutzung durch Nutzer sinkt, der alltägliche Weg zum großen öffentlichen Platz erscheint nun dem ehemaligen Publikum ein wenig rückständig. Das ist er auch, wenn man bedenkt, dass nun praktisch jedes Haus ein kleines Forum für sich selbst darstellt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Foren in ihren letzten Atemzügen liegen. Menschen haben ja immer etwas zu sagen, egal, ob sie auch wirklich etwas zu sagen haben. Daran ist auch im .0-Netz nicht zu rütteln. Gut so. Aber auch da wird der alten Form das Wasser bedächtig abgegraben. Steht man vor der Wahl, den fixen Stammplatz anzusteuern oder doch auf dem Desktop einen Twitter-Client anzuwerfen, wofür entscheidet man sich wohl? Warum soll man immer noch zum Berg kommen? Ja, selbst der Besuch der Twitter-Seite per Browser erscheint im Vergleich eher wie ein kurzer Besuch im Nachbarhaus. Eben weil sich zwischen beiden Formen zwar formal und inhaltlich nicht viel geändert hat, aber an der Denk- und Herangehensweise. Es braucht keinen Aufhänger, keinen Auslöser mehr zur Produktion. Wenigstens keinen für Beobachter zwingend ersichtlichen. Das Produkt, es ist nun einfach da und dank der struktellen Veränderungen liegt es mehr denn je in den Händen anderer Beteiligter, was nach dem Vorhandensein damit geschieht. Ob etwas damit geschieht.

Eine Stimme

# zwetschgo

Bei exoo guck ich nach wie vor täglich ren, obwohl sch da schon lang nichts mehr wirklich tut, das andere Forum was ich täglich besuche ist das Mediengestalter-Forum, da gibt es immer irgendwas zu lesen, ist halt (zumindest teilweise) ein Fachforum. Mir fällt aber auch auf, dass von den paar ICQ oder Skype Adressen auch immer weniger Leute online sind.

Ich geb dir aber recht, es kommt nix neues nach und wenn, dann kann man das mit dem gewohnten, gemochten nicht automatisch gleichsetzen.

Aber ganz ehrlich, irgendwann fehlt einem das dann auch nicht mehr. Denk ich zumindest.

Wenn man sowas wie ein Leben entwickelt hat.

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