Nervus rerum

Das Laufband an der Supermarktkasse, zumindest ein Teil davon, ist oder wird persönliches Revier, soweit war mir das schon klar. Vorhin beim Anstehen an selbiger Kasse überlegt und auf den Gedanken gekommen, dass es noch viel mehr ist.

Für das lange Laufband, die Waren und die Nerven des Kassierers, werden ja so nette Plastiktrennteile bereitgestellt. Die Dinger zu nutzen, käme mir aufgrund der Länge des Bandes und jenem Revierverhalten der anderen Konsumenten, nicht in den Sinn. Schließlich entstehen allein daraus zwangsläufig mehr oder minder große Lücken zwischen den jeweiligen Konsumhäufchen. Was passiert aber trotzdem umgehend? Die von diesen System an mich gestellte und von mir verweigerte Forderung, Trennung klar zu setzen, wird prompt von dem Vorder- bzw. Hintermann übernommen. Und da liegen dann die Trenner, ob ich will oder nicht.

Und so sind diese vordergründigen Revierflächen, da eben je ganz persönlicher Natur, wiederum komprimierte Systemabbilder. Veranschaulichung jener allgegenwärtigen Ordnungen und Institutionen, von denen jeder jederzeit ein Teil ist. Ignoriert man einzig und allein die Regeln des Systems, macht das für einen selbst und alle anderen überhaupt keinen Unterschied. Man bleibt trotzdem Teil des Ganzes, solange das Ganze noch genug andere Teile hat und diese gewissentlich die an sie gestellten Anforderungen erfüllen. Zu ihrer Zufriedenheit und Seelenruhe.

Und das ist das Paradoxe an Systemen. Dass, was einen faden Geschmack in mir verursacht. Oder es ist der Umstand, dass sich dies alles, selbst in zwei kleinen, klobigen und eigentlich unwichtigen Plastikteilen manifestiert, immer wieder erkennen lässt.

Dienstag, 10 Juni 2008

Stimme erheben