So geht das weiter, tagelang.

flick (CC)

In seiner kreisrunden und geschlossenen Form liegt er da. Abgegrenzt von dicken Steinplatten, unterfüttert mit zahlreichem Kalkgestein. Der große Teich. Vor ihm stehen beide Betonklötze mit ihren unzähligen blinden Ausbuchtungen. Wie einzelne kleine Bienenwaben, wie hundert Augen, schauen die auf ihn das ganze Jahr herab. Sehen, wie die ersten Sonnenstrahlen im Frühling auf seine Oberfläche treffen und zeitgleich eine Handvoll Fische flink im Wasser ihre Bahnen ziehen.

Die bekommen von den Blicken freilich nur wenig mit. Sie müssen schwimmen, atmen, einfach nur in der ihnen gegebenen Zeit Fisch sein. Aber noch viel eher: sie müssen denen da Oben gefallen. Und das tun sie. Die Klarheit ihres Gewässers, so wie sie es seit ihrer Ankunft kennen, wird schon kurze Zeit später von einem immer deutlicher werdenden Grünstich durchzogen. Das Atmen fällt ihnen ein wenig schwerer und bevor sie es realisieren, wird ihr Element immer trüber.

Auch den vielen Augen der Betonklötze entgeht dieser Wandel nicht. Von oben herab beobachten sie eine bräunliche Suppe. Sie wissen, dass der Kalkteich seinen Zenit überschritten hat , nehmen es beiläufig zur Kenntnis und leiten alles weitere in die Wege, während die Fische immer unruhiger werden.

Die geraten immer mehr in Panik. Sie können ihre Artgenossen im nun völlig zugewuchertem künstlichen Becken nicht mehr sehen. Ziel und planlos schwimmen sie vor und zurück und wissen, dass eine Zeit des Umbruchs bevorsteht. Was ihnen bleibt, ist nicht viel Luft zum Atmen, nur die Hoffnung, dass sich das alles doch noch zum Guten wenden wird. Und sie hoffen solange, bis der letzte von ihnen in einem zum nächsten Augenblick nicht mehr ist.

Nicht einen Tag später halten vor dem immergrünen Teich Wagen an. Menschen steigen aus und karren neumodische Technik an. Damit pumpen sie das Wasser immer schneller und bequemer ab, entfernen das undurchdringliche Algendickicht, entfernen die alten Leichen und verschwinden wieder. Das Kalkbecken liegt brach. Dann kommen sie ein paar Tage später, füllen das Wasser Stück für Stück auf. So geht das weiter, tagelang. Bis eines Tages andere Leute erscheinen, die mehrere Plastiktüten mit sich tragen. In ihnen schwimmen kleine Fische, begierig, in ihre Freiheit entlassen zu werden. Vor Freude ziehen sie im neuen Gewässer flink ihre immergleichen Bahnen.

Oben beobachten die Betonaugen. Und ihnen gefällt wissentlich, was sie da sehen.

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