Worte entfliehen. Bilddominanz. Durcheinander.

Screenshot Crysis
Krank gewesen. Zumindest kränker als sonst. Hat den sowieso schon kaum vorhandenen Antrieb entgültig niedergerungen und neben allerlei gefühltem Stillstand auch dafür gesorgt, dass keine Worte den Fingerspitzen entspringen wollten. Wahrscheinlich kein Grund, nur Katalysator des bisweilen immanent-verspürten Drangs nach Ruhe, Auszeit und Stillstand. Kurioserweise ist aber gerade das nicht vollständig eingetreten. Digital konsumiert wurde trotzdem weiterhin, im abgeschwächtem Zustand. Die Art, wie ich in diesem Zustand selektiert habe, befremdet mich ein wenig und zugleich beruhigt sie in merkwürdig vertrauter Weise.

Im Feedreader z.B. wurden nur die abonnierten Blogs überflogen, das RSS-Bombardement der Zeitungsportale hingegen wurde sich selbst überlassen. Nachrichten? Nein. Danke. Ablehnung und Verweigerung. Trotzdem der kleine verbleibende Drang, das Geschreibsel der privaten Klowände weiterhin zu entziffern. Und so über Umwege, aus zweiter, dritter oder vierter Hand, trotzdem Nachrichten mitbekommen und sogar ein klein wenig informiert gefühlt. Hm. Interessant. Die eigentliche Wertigkeit sagt zwar sicherlich mehr über mich und die persönlichen Präferenzen aus, aber doch in gewisser Weise schön, dass man da Parallelen zur momentanen Ausseinandersetzung (wenn man es denn so nennen mag) zwischen alten und neuen Medien erkennen kann. Beschäftigt mich weiter.

Weiter beschäftigen wird mich auch ein kleiner Nebenkommentar von Frau Bunz zur Rollen- und Geschlechterverteilung bei The Wire. Die weiblichen Charakter in der Serie hätten keine Motive — „Die sind einfach da.“ Ist was dran, ohne Frage. Ist mir allerdings beim Schauen nie in den Sinn gekommen oder hätte gar ein Hinterfragen angestoßen. Ich zerbreche mir nun schon die ganze Zeit den Schädel, ob dieses Nicht-Fragen an mir selbst liegt oder an der Prämisse der Show. An mir selbst, weil ich zu sehr in einer Rolle stecke? Hoffentlich nicht. Oder aber vielleicht: weil ich für gewöhnlich versuche, mich nicht von einengenden und abgrenzenden Genderdiskursen und -definitionen auf die ein oder andere Art vereinnahmen zu lassen? Wäre schön, aber ist wohl etwas utopisch. Oder es liegt doch schlicht und einfach nur am Kontext dieser Serie. Man lässt sich darauf ein. Wer dokumentiert (und so kann man die Serie durchaus sehen, eine Doku, zumindest scharf umrahmte Momentaufnahmen) muss und sollte vielleicht nicht erzieherisch tätig werden und Inhalt sofort in den Dienst nebenbei gemachter Beobachtungen stellen. Wäre eine Ablenkung vom eigentlichen Sujet und im Ganzen nicht wirklich dienlich? Nunja, wird mich jedenfalls noch etwas länger beschäftigen.

Was mich die letzten Tage außerdem beschäftigt hat oder: nun wieder zu etwas völlig anderem. Neuer Rechner, neue Leistung, alte vergessene Spielerinstinkte. Crysis durchgespielt. Hilfe, das ist schon kein zweischneidiges Schwert mehr. So etwas muss man in dieser Absolutheit erst einmal hinbekommen: Süßes für Augen sein, aber zugleich in ungeahnte uninspirierte Dimensionen vorzustoßen. Eine Fortsetzung, die höchstens technische Fortsetzung ist, deren inhaltlicher und spielerischer Stillstand zugleich vielfacher Rückschritt ist. Ohje.

Sonntag, 30 März 2008

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