Unkomplizierte, kurze Diskurse.

Die BILD fragt ein weiteres Mal bei Frau Kemfert an. Im November letzten Jahres stand sie dem BILDblog kurz Rede und Antwort. Die abschließende Frage:

Kann man die regelmäßige „Bild“-Frage „wird Benzin noch teurer?“ nicht einfach pauschal mit „Ja, alles wird immer teurer. Was dachten sie denn?“ beantworten?

Nein, das ist nicht mein Stil, zudem stimmt es auch nicht, wie selbst die „Bild“-Zeitung ab und zu mal selbst feststellt. Nur weil manche Medien einfache Schlagzeilen brauchen, kann und sollte man auf keinen Fall derart plakativ und zudem eine Fehleinschätzung abgeben. Zwar drücken wir Wissenschaftler alles kompliziert und langatmig aus. Dennoch sollte eine Korrektur auf keinen Fall auf Kosten der inhaltlichen Präzision erfolgen.

BILDblog-Interview

Das liest sich doch recht vernünftig, oder? Gut, man könnte sich durchaus fragen, warum sie dann gerade dem einen Medium, geradezu auf Abruf, weiterhin redundante Fragen beantwortet, die eben jene völlig berechenbare „einfache Schlagzeilen“ nach sich ziehen — aber gut. Jedenfalls ist die beständig heruntergebetete 1,50 Euro-Grenze wohl nicht mehr abwechslungsreich genug, weshalb Frau Kemfert nun auf Seite 1 der Bild vom Leder lassen darf. Das Ganze hat dann so eine schön-plakative Überschrift, dass Qualitätsmedien wie die FAZ dem natürlich nicht nachstehen dürfen. So bekommt der anspruchsvolle Leser es gleich vorgesetzt:

[…] Laut einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) droht in den kommenden zehn Jahren eine Verdreifachung des Benzinpreises.

„Sollte sich der Ölpreis verdoppeln – was nicht unwahrscheinlich ist – und der Dollarkurs normalisieren, würde der Liter Super vier Euro kosten“, sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert der „Bild-Zeitung“.

DIW befürchtet… (faz.net)

Hätte, könnte, würde, sollte. Prognose als nostradamische Gewissheit und Klickgarant mit „inhaltlicher Präzision“. Man braucht keine „einfachen Schlagzeilen“, das hat man auch schon längst in den Onlineportalen der Zeitungen kapiert. Und Frau Kemfert anscheinend ebenso. Lernkurve, anyone? Aber der Diskurs muss bestimmt werden und wo wäre das erneute Werben für Atomenergie vom Bundeswirtschaftsminister Glos auch sonst besser aufgehoben? Jedenfalls: bis zur nächsten Anfrage, bis zur nächsten Antwort, bis zum nächsten wichtig-bestimmendem Thema.

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