Auf den Aushang achten

Bahnhof Bielefeld bei Nacht – flickr

Interessante Situation gestern am Hauptbahnhof. Beim Betreten des Gebäudes flickerte einem auf der Anzeigetafel ein großes „Bitte achten Sie auf die Aushangfahrpläne“ entgegen. Abgesehen davon, gewohntes Treiben und Wuseln in der Halle. Einmal den angestrebten Bahnsteig erreicht, gab dort und überalll jede Anzeigetafel obigen Hinweis aus, so dass man also erstmal nach besagten Aushängen suchte.

Die hatten sich aber wohl versteckt, diese magischen Aushanglisten, denn wie sich herausstellte, tarnten sie sich hinter dickem Plexiglas als gewöhnliche Ankunfts- und Abfahrtspläne. Diese Schlingel bei der Bahn, immer zu kleinen Scherzen aufgelegt. Schön. Aber die DB, man ist ja Dienstleister durch und durch, ließ ihre Kunden nicht einsam, verlassen und desinformiert an den Bahnsteigen stehen. Eine freundliche Damenstimme klärte ein jeden über die Lage auf, mit interessanten Akzentuierungen:

„Aufgrund des STREIKS der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer kommt es im Bahnverkehr zu ZAHLREICHEN Verzögerungen.“

„Die böse böse GDL“ war also nach Meinung der Bahn die wichtigste den Fahrgästen zu vermittelnde Information. Die Hinweise auf sich verzögernde Züge — die im übrigen nach meinem Eindruck und der Lektüre der entsprechenden Bahnseite vorher alle gefahren sind, bis auf zwei, drei Regionalbahnen — beschränkten sich darauf, dass man doch auf die Aushangpläne schauen (Beschäftigungstherapie) oder eben weitere Durchsagen abwarten solle…

Die Anzeigetafeln waren ja sowieso nicht zu gebrauchen, „aufgrund eines technischen Ausfalls“. Na, wenn das je nach Standpunkt für manche Interessen nicht ein willkommener Bonus war, dieser unglückliche und bedauernswerte Zufall. Letztlich blieb bei mir nur ein Eindruck hängen: Warterei, Verspätungen der Züge und somit alles wie immer. Nur die beständige Guerilla-Beschallung hat genervt.

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