Pushing Daisies

Patrick Down

Touch-a, touch-a, touch-a touch me

„At this very moment in the town of Coueur d’Coueur young Ned was 9 years, 27 weeks, 6 days, and 3 minutes old. His dog Digby was 3 years, 2 weeks, 6 days, 5 hours, and 9 minutes old. And not a minute older…“

So die einleitenden Sätze des Erzählers aus dem Off, bevor Digby unsanft Bekanntschaft mit einer Straße nebst LKW machen muss. Hier wird Ned sein „Geschenk“ zum ersten Mal bewusst. Mit nur einer Berührung kann er Tote wieder zum Leben erwecken. Warum und weshalb er das kann, weiß er nicht. Und natürlich wurde keine Betriebsanleitung mitgeliefert. So muss er die Eigenheiten seiner Begabung, damit verbundene Haken, auf schmerzvolle Weise am eigenem Leib erfahren. 19 Jahre, 34 Wochen, ein Tag und 59 Minuten später, ist Ned zu einem ausgezeichneten Konditor geworden, ohne Freunde, ohne tiefergehende Beziehungen. Ein recht zurückgezogener Einzelgänger, der sein Leben hauptsächlich in seinem Laden „The Pie Hole“ lebt.

Das Lied von Eros und Thanatos

Wenn Bryan Fuller eine Serie am Start hat, sollte man Augen und Ohren offenhalten. Wer „Dead like me“ oder „Wonderfalls“ kennt, dem ist das ohnehin bewusst. Seine Geschichten erhalten ihr Leben gerade aus mehr oder minder gesellschaftlichen Tabus. Leben und vor allem Tod sind prominente Motive, seine Protagonisten Suchende. Für sie gilt es — freiwillig oder nicht — den eigenen Platz zu finden. Ob nun die Suchenden wie in „Wonderfalls“ kurz vor der Einweisung in eine Psychiatrie stehen, wie im bezeichnendem „Dead like me“ gar schon tot sind oder wie in „Pushing Daisies“ dem Tod in spezieller Art und Weise ganz nahe stehen: um das Leben begreifen zu können, braucht es den Kontrapunkt. Einen Perspektivenwechsel.


Die Serie ist pastellfarbene Variation eines Kunstmärchens und vorurteilsbefreites schwarzhumoriges Spiel mit Tabus. Eine Comedy, die bisweilen melancholische Untertöne trägt, aber wie ihre Vorgänger stets das Positive im chaotischen Spiel des Lebens anerkennt, sucht und auch findet. Kleine Details im Pilot, wie zum Beispiel die ständig auftretenden Wiederholungen in den Namen diverser Örtlichkeiten („Couer d’Couer“, „The Darling Mermaid Darling“ usw.) zeugen von der hohen Symboldichte des Ganzen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Serie nicht den selben Weg Fullers früherer Shows geht, will heißen: nicht abgesetzt wird. Man hat ja wahrlich nicht viele dieser etwas anderen Geschichten zur Auswahl.

8 Stimmen

# Lo

Also, hab auch schon in den Pilot reingesprickelt und die Machart gefällt mir ja sehr.
Wie bei „Dead like me“ bin ich gespannt, wie sich das ganze in einer Serie darstellt und entwickelt, denn bei mehreren Folgen wird sich im Vergleich zum Einstieg doch etwas ändern.
Allerdings erinnert mich Ned dummerweise an Oliver aus der 4. Staffel von Coupling. Das kann aber noch werden.
Außerdem bin ich überdurchschnittlich oft auf meinem Stuhl hin und her gerutscht, weil ich eine Dummheit von den Hauptdarstellern erwartet habe und Serien-Fremdschämen hasse. Letztendlich haben sie’s aber gerettet und ich habe es nicht bereut, im Gegenteil, erstmal wird gerne weitergeguckt. 🙂

PS: Als ich gerade nachgelesen habe musste ich feststellen, dass nicht nur ich mich an „Amélie“ erinnert gefühlt habe…. :))

# fym

Sollte es so wie bei „Dead like me“ ablaufen, ist Fuller eh nach 4 Folgen draußen und dann wird sich in der Tat was ändern 😉

Bezüglich „Amélie“: Was hat daran erinnert? Der Anfang? Ich musste eigentlich nur bei der musikalischen Untermalung daran denken und besonders bei der letzten Szene; wegen der Art von diesem verträumten „Händchen halten“.

PS: Dein Kommentar ist der 200. hier.

# Lo

Mwaha@200 🙂

An „Amélie“ haben mich Farben und Musik erinnert. Mindestens ein Lied kam nämlich auch im Film vor. Auch die Erzählart ist stark an den Film angelehnt. Oder nicht angelehnt, aber doch sehr ähnlich.
Naja, jedenfalls bin ich nach dem Überfliegen des IMDb-Boards offensichtlich nicht die einzige mit diesem Eindruck, andere erwähnen noch „Big Fish“, aber den hab ich nicht gesehen.
Und das Zitat: „Amelie is said to be Bryan Fuller’s favorite movie.“

# zwetschgo

Ich werd es mir auch mal angucken. Dead Like Me hat mir ja auch außerordentlich gut gefallen.

Ich hab jetzt noch ne andere Serie „entdeckt“ die sich mit dem Seelensammeln beschäftigt, allerdings ist das voll auf Comedy ausgerichtet. Bis jetzt find ich es ganz nett: Reaper.

Die nachdenklichen Momente wie bei Dead Like Me werden zwar höchstwahrscheinlich ausbleiben, aber dafür ist der Charakter des Teufels klasse und auch die Idee, dass der Seelensammler für jedes Mal einsammeln ein neues Transportgerät erhält ist nett, bisher waren es ein Handstaubsauger und eien fergesteuertes Auto. Ach, Dolores Herbig (as in her big brown eyes) kann man in dieser Serei auch sehen. Sie ist praktisch die „Annahmestelle“ für die eingesammelten Seelen.

# zwetschgo

Doppelpost alleine – vergiß es 😉

Vielen herzlichen Dank für den Tipp.Ich liebe die Serie schon nach der ersten Folge. Die Musik, die Farben, der Erzähler die skurriklen Figuren und Plätze – alles passt.

Aber ich bin auch froh, dass es solche Serien nicht en masse gibt, sonst wüsste man solche Perlen der Fernsehunterhaltung vielleicht gar nicht so zu würdigen.

# fym

Bei „Reaper“ denke ich mir nach den ersten zwei, drei Folgen auch nur „ganz nett“. Aber so richtig mag ich die Serie nicht leiden. Trotz der Prämisse lief mir da bisher alles zu sehr nach Schema F ab, auch wenn das erste „Vessel“ mit dem „Dirt Devil“ schön gewählt war 😉

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