Das Ziel ist der Weg.

Seminare müssen umbenannt werden. In „Referat-Workshops“ zum Beispiel.

Ich war bisher der Meinung, ein Seminar sollte sich in erster Linie auf den mehr oder minder wissenschaftlichen Diskurs in Form von Diskussionen zwischen Studenten und ggf. Dozenten konzentrieren. Als Kontrast zur Vorlesung. Vielleicht ein kurzes Referat zur Einführung in bestimmte Sachverhalte, von denen sich dann besagte Diskurse aus entwickeln.

Dieses Semester bestanden die meisten Seminarsitzungen je aus genau ein oder zwei längeren Referaten, die meist bekannte Dinge wiederholt durchkauten und bisweilen weit über ¾ der Sitzung in Anspruch nahmen. Die anschließend verbliebene Zeit nur selten noch ergiebig, denn entweder war durch die längeren Vorträge die Aufmerksamkeitsspanne auf Seiten des Publikums ausgereizt oder darauf aufkeimende Diskussionen wurden jäh vom Dozenten erstickt — „wir müssen ja eigentlich noch über den Gegenstand dieser Sitzung reden“. Geredet wurde dann, aber nur in eine Richtung. Sinnvoll.

Die liebliche Jagd nach Scheinen produziert soetwas. „Entweder Hausarbeit oder Referat“ lautet die Devise. Und man fragt sich, wozu man sich eigentlich überhaupt in ein solches Seminar setzen sollte, außer als Füllpublikum während der Erfüllung der eingeengten Scheinbedingungen zu fungieren. Was eine Entwicklung.

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