Ersteres – Letzteres

Da ist man einmal überpünktlich, gibt den Überweisungsvordruck für die lieblichen Semester- und Studienbeiträge gleich am ersten Februar, den Beginn des Überweisungszeitraumes, ab und meint, damit etwas Gutes getan zu haben. Frühstmöglich abgeben, da kann man sich entspannt zurücklehnen und alles seinen gewohnt-gemächlichen zwei- bis dreiwöchigen Gang gehen lassen. Wird schon.

Nach besagtem Zeitraum schaut man mal wieder auf den Kontostand, um sich der Gewohntheit doch noch einmal zu vergewissern. Was darauf folgt ist die erstmal materialistisch-programmierte Freude über den unerwartet relativ hohen Kontostand, bevor man sich fast im gleichem Moment fragt, wieso da eigentlich noch so viel auf der hohen Kante liegt. Kurz den Überblick für Überweisungen aufgerufen und siehe da… die Freude geht so schnell, wie sie kurz zuvor zur Türe hereingeschaut hat. Keine Überweisung, wohin auch das Auge blickt. Nicht weiter schlimm, man beschließt, am nächsten Tag, der Freitag vor der Wochenendreise, morgens in der hiesigen Bankfiliale vorbeizuschauen, um sich seine Relativierungsversuche persönlich bestätigen zu lassen.

Nun steht man, fertig gepackt und verschnürrt, alsbald früh morgens in besagter Bank. Ein Herr mit aufgelegtem Arbeitslächeln ist als Ansprechpartner schnell gefunden; wohl der Kollegenstar dieser Filiale, wie es das prominent aufgehängte Bild im Stile eines ‚Mitarbeiter des Monats‘-Starschnitts erahnen lässt. Man erklärt den Sachverhalt – yada. Studiengebühren. yada. Wichtig, irgendwie. yada – und sogleich macht sich der Herr an die Aufklärungsarbeit. Bitte die Kontonummer – verwirrter Blick. Das Geburtsdatum? Noch tiefere Gesichtsfalten. Am Ende stellt auch er endlich fest, dass sich mein Konto bei der Sparda-Bank in Berlin und nicht bei selbiger in Hannover befindet und fängt an, zu erklären, dass man in dieser Filiale nicht einfach auf mein Konto ‚zugreifen könne‘ un… ich unterbreche ihn und sage, dass mir das bekannt sei, es mir aber nur darum ginge zu erfahren, ob besagte Überweisung überhaupt bearbeitet worden sei — in dieser Filiale. Das könne er ja sicherlich zumindest feststellen, im eigenen Haus. Daraufhin erklärt er seelenruhig, dass man hier ja gar keine persönlich abgegebenen Überweisungen von mir annehmen könne. Etwas konsterniert frage ich, warum dass aber die letzten 3 Jahre problemlos ging, warum man sich mit mir, spätestens jetzt, nicht einmal in Verbindung gesetzt habe, um mir dieses Unvermögen mitzuteilen oder um mich wissen zu lassen, dass sich die Uni wohl bald mit mir, nicht im Guten, in Verbindung setzen dürfte. „Da haben Sie einfach Glück gehabt, dass die Kollegen die Überweisung bisher getätigt haben, obwohl sie eigentlich nicht dürfenkönnen“ bekomme ich als Antwort zu hören. „Ja, wirkliches Glück…“ wiederhole ich mit dezent sarkastischem Unterton, blicke auf die Uhr und frage, bevor ich zum Bahnhof sprinten muss, was man nun machen könne, schließlich muß die Überweisung raus. „Wir können da nichts mehr machen“, die trockene Antwort.

Soviel felsige Kundenfreundlichkeit und Kulanz konnte ich an diesem Morgen nicht länger ertragen, weshalb ich mich mit irgendeiner Floskel a la „Na, dann… danke?“, ein kläglicher Versuch doch noch in die Rolle des keifenden und vor Wut schnäubenden Kunden zu schlüpfen, verabschiede, um den Zug noch zu bekommen. Nach dieser Szene, wie das häufiger so ist, fallen einem auf einmal noch diverse Sachen ein, die ein paar Minuten vorher ganz nützlich gewesen wären. Zum Beispiel die Tatsache, dass genau jener Bankherr mindestens 3 meiner Überweisungen damals persönlich entgegengenommen hatte. Nun gut, was soll’s. Das eigentlich als entspannt geplante Wochenende erhielt dadurch zwar einen unglücklichen Start und auch der Umstand, dass Freitags niemand im Studierendensekretariat mehr zu erreichen war, half nicht viel, aber was soll man machen. Nach der Rückkehr am Montag gleich zur Uni gegangen, einen neuen Überweisungsvordruck schicken lassen und wenn alles klappt, kann das Geld morgen, den letzten Tag des Monats und somit des Überweisungszeitraums, doch noch überwiesen werden.

Zumindest herrscht zwischen dem Geplanten und dem Ungeplanten eine stille Symmetrie. Beruhigend.

4 Stimmen

# Lo

Du hast vergessen zu erwähnen, dass das WE doch noch annehmbar und zu genießen war! :p

# Nils

Ja, Banken. Wir lieben sie. Fast so sehr wie das Bafög-Amt.

Wenn die eine Bank 10€ + 2 Wochen braucht, um einen Kontostand aus dem Jahr 2004 zu bestätigen, eine andere Bank es umsonst macht und keine 5 Minuten braucht, sogar anhand der Kontoauszüge unterschriften verteilt, fragt man sich schon, ob man nicht bei der falschen Bank gelandet ist.

Ein Prosit auf die Volksbank. Zeit zu wechseln, fym? Ich komm mit 😉

~ Nils

# Clara

Mal zu deiner Überschrift „Ersteres-Letzteres“
Gibt es im Hochdeutsch überhaupt so etwas wie ersteres?:)

~ Clara

# fym

Uhm, ja? Im Wahrig stand es schon zu Schulzeiten und da steht es jetzt auch noch 😉 Und was soll schon „Hochdeutsch“ sein…

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