Hallo, ich bin es. Meine Hobbies sind…

Momentan sehr beliebter Beitragseinstieg in dt. Blogs dürfte wohl sein: „Eigentlich wollte ich zum studiVZ nichts schreiben, aber nun…“ – macht man es trotzdem. Schnell die entsprechenden Links zu einschlägigen Blogs gesetzt, die schon oft geschriebenen Standpunkte nochmals durchgekaut & zum Besten gegeben. Schon steht er, der Blogeintrag. Die Blogosphäre halt. Moment aber; wenn ich ein Blog betreibe, bin ich dann nicht automatisch Teil derselbigen? Verdammt! Nagut, dann muss ich wohl auch…

Im Zusammenhang mit all dem Gerede übers studiVZ, der Verfehlungen des Gründers, Finanzsituation, Teilhabe ect. sorgt wenigstens das Thema des studiVZ-Datenbestandes in Bezug auf Datenschutz dafür, mal wieder einen Anlass zu haben. Anlass, sich zu fragen, wie sich der Umgang mit den eigenen persönlichen Daten mit der Zeit gewandelt hat; ob überhaupt? Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wie Usenet eigene Grundfragen nicht dort „entschieden“ worden sind, sondern im WWW. Der Streit Realname vs. Nickname war in ersterem Medium ganz groß (ist es wohl immernoch?) und während man in einzelnen Newsgroups noch munter darüber stritt, breiteten sich immer deutlicher Weblogs aus, bei denen es mitunter Standard ist, ein fein säuberliches Impressum vorzeigen zu können. Anonymität nicht mehr erwünscht?

Interessant ist da die Gegenüberstellung beider Situationen:
Im Usenet, zumindest in der de.*-Hierarchie und in Newsgroups mit „normalem“ Thema, gibt es schon lange die dringende Empfehlung, unbedingt den richtigen Namen zu verwenden. Ergo: Entweder den richtige Name verwenden oder gnadenlose Ignoranz der Fachschaft dieser NGs spüren. Im Massenmedium WWW hingegen blühten in Chats, Foren und anderen Kommunikationsplattformen Pseudonyme und ein Kult der vermeintlichen Anonymität, der nun im Begriff ist, von einer signifikanten Menge an Internetnutzern ad acta gelegt zu werden.

In Bezug auf das Usenet könnte man vielleicht noch irgendwie mit der Benutzeranzahl dieses Dienstes argumentieren – „Ist ja egal, das Usenet ist spezieller. Im WWW ist hingegen jeder.“ Was erklärt aber den Erfolg der Blogs, neuer Communities wie myspace, facebook und Co., in denen unzählbar viele Menschen ihr Leben, ihre persönliche Daten, veröffentlichen und zugänglich machen? Da liegt die Frage nahe, ob überhaupt je ein Bedürfnis nach Privatssphäre bei den Leuten bestand. Ist es ihnen wirklich egal, ist es einfach Unwissenheit, eine Mischform aus beiden oder tritt durch die Möglichkeiten der neuen Dienste doch nur ein Mitteilungsbedürfnis ins Rampenlicht, dass es schon immer gab?

Nunja, um aber nochmal speziell etwas zum studiVZ zu sagen und diesen Eintrag somit behelfsweise nicht zu legitimieren:

Selbst bin ich im Verzeichnis auch vertreten, traditioneller Mundpropaganda sei dank. Eigene Bilder oder ähnliche zu persönliche Dinge haben es von meiner Seite aus auch nie auf deren Server geschafft. Was letztlich bleibt ist mein Name, mein Studiengang und ein paar persönliche Interessen. Dazu brauchte es das studiVZ erst gar nicht. Dieses Blog hier wurde eben auch im Bewusstsein der stückweiten persönlichen Offenlegung und der nahezu unmöglichen Anonymität im Netz gestartet. Ob es dieses „sich bewusst sein“ nun besser macht oder nicht, darüber mag man geteilter Meinung sein. Auf oberflächlich-persönlicher Ebene stören mich all die Vorgänge jedenfalls nicht besonders. Es war auch nur eine Frage der Zeit.

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