Der absolut richtige Weg des Lebens.

Wenn alle von Gott her denken und leben, dann werden wir gleich, und dann werden wir frei, und dann entsteht die wahre Geschwisterlichkeit.

[…]

Offenbar herrscht doch bei manchen die Meinung, die sozialen Projekte müsse man mit höchster Dringlichkeit voranbringen; die Dinge mit Gott oder gar mit dem katholischen Glauben, die seien doch eher partikulär und nicht gar so vordringlich. Und doch ist es gerade die Erfahrung dieser Bischöfe, daß die Evangelisierung vorausgehen muß, daß der Gott Jesu Christi bekannt, geglaubt, geliebt werden, die Herzen umkehren muß, damit auch die sozialen Dinge vorangehen; damit Versöhnung werde; damit zum Beispiel Aids wirklich von den tiefen Ursachen her bekämpft und die Kranken mit der nötigen Zuwendung und Liebe gepflegt werden können.

Das Soziale und das Evangelium sind einfach nicht zu trennen.

10. September 2006. Irgendwer, irgendwo in München.

Der Glaube soll also vor allem stehen, auch vor sozialem Mitgefühl. Und natürlich müssen z.B. die Afrikaner erst glauben, bevor u.a. durch Nahrung überhaupt irgendeine bedeutende Besserung bei ihnen eintreten kann. Man muss sich der Begründung der selbstlosen Nächstenliebe erst vollkommen bewußt sein, um sie wirklich schätzen zu können. Sowas, da dachte ich bisher doch glatt, dass Werte, Moral und Ethik in ihrem Grunde keine organisierte Religion bedingen.

Und meine Überzeugung, dass vorhandene Unterschiede gar nicht so schlecht sind; ja, mitunter zum besseren Verständnis, zu konstruktiven Anstößen, für ein Miteinander führen können und somit wichtig sind, muss ich wohl nun auch über Bord werfen. Denn die Logik ist natürlich nicht zu widerlegen. Gleiche Basis für Denken und Leben – da ist man gleich und frei. Untereinander.

2 Stimmen

# Clio

Ich denke eher, dass der Zitierte meint, dass der Glaube gar nicht anders kann, als sich in (sozialem) Handeln zu zeigen. Wie heißt es in der Bibel: Glaube ohne Werke ist tot. Werte, Moral und Ethik sind ja nicht auf den Bäumen gewachsen, sondern das Resultat einer ehemals christlichen Gesellschaft. Wie viele buddhistische oder hinduistische Krankenhäuser oder Sozialeinrichtungen gibt es bspw. in Indien? Auch dort werden solche Einrichtungen meist von christlichen Organisationen gegründet/geleitet.

# fym

Ja, aber er verknüpft diese »Ansicht« während der Rede mit der Missionierungs- bzw. Evangelisierungsaufgabe der Kirche. Und das halte ich, ebenso wie die anderen absoluten Aussagen, für bedenklich. Man stelle sich z.B. genau diese Rede mal ohne den Hintergrund des christlichen Glaubens, ganz weltlich, vor. Da kommt zwangsläufig ein gewisser Parallelismus auf, der mir zumindest nicht schmeckt.

Den Ausspruch bezüglich der Werte, Moral und Ethik würde ich so übrigens nicht unterschreiben. Diese Dinge, ich bleibe mal bei dem Bild, sind nicht »auf den Bäumen gewachsen«, wurden aber genau dort vom Christentum geerntet, in Wort gefasst und popularisiert. Wie ich schrieb: Moral, Ethik und Werte bedingen nunmal keine Religion. Keinen organisierten Glauben. In der Rede wird aber gerade das durch die Verknüpfung der Evangelisierung mit sozialem Engagement & Hilfsarbeit suggeriert. Schmeckt mir, wie geschrieben, so gar nicht.

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