Ein Ton, dann Stille.

Seit einigen Wochen werden mein Telefonanschluß und ich nun auch endlich relativ regelmäßig von diversen Call-Centern (oder auch nur einem?) bedacht. In der Regel mindestens ein- bis zweimal unter der Woche; in schlechten Wochen auch noch zusätzlich am Wochenende. In solchen Fällen habe ich es mir inzwischen angewöhnt, einfach abzunehmen und zu schweigen. Im Normalfall folgt bei der Gegenseite, nach maximal fünf Sekunden irritierter Stille, dann das Auflegen.

Für mich ist das natürlich entspannender, da ich mir einerseits keine gesprächsbeginnenden Standardphrasen anhören und andererseits anschließend keine Wege suchen muss, das „Gespräch“ möglichst effektiv zu beenden. Für den Anrufer bedeutet es, dass dieser sich nicht seinen großen Eröffnungsmonolog rausleiern muss, um dabei nur ein weiteres Mal jäh unterbrochen zu werden. Er kann auf seiner Liste sofort den Nächsten anrufen. Wenn man ein Provisionsmodell im Nacken hat, ist Zeit schließlich wenig Geld.

Jedenfalls klingelt heute morgen also fast wie bestellt das Telefon. Schlaftrunken und alles mit Nebelschleier sehend, verrät mir die unterdrückte Rufnummer im Display, dass es sich wieder um einen armen Lohnsklaven handeln muss. Ich nehme also ab und habe wohl eine besonders gestresste Dame am Apparat. Denn was folgt nun?

Moi: „…“
Sie: „Hallo?“
Moi: „…“
Sie : „… … Leck mich doch am Arsch!“

Spricht’s und legt zornig auf. Ich muss ein wenig schmunzeln, weil die Anruferin offensichtlich für die Dauer des Anrufs eine, auf tragische Weise geraffte, Zwangsverschiebung der ihr in solchen Werbegesprächen aufgezwungenen Rolle durchmachen musste und damit augenscheinlich wohl nicht klarkam.

Vielleicht hat es ja geholfen, zumindest von diesem Call-Center aus in den nächsten Tagen nicht mehr kontaktiert zu werden. Mal schauen.

2 Stimmen

# zwetschgo

Ich als ehemaliger Callcenter Agent (tolles Wort) frag immer zuerst woher sie meine Nummer haben. Dann kommt die Erklärung mit den Zufallszahlen usw.
Dann frag ich ob sie die Nummer weiterverkaufen.
Natürlich nicht. Dann können wir ja anfangen. Es kommen ein, zwei Fragen, dann muss ich zögern, weil ich die nicht verstehe und lass sie mir nochmal erklären. Und dann nochmal. Und dann klingt der/die gegenüber meist schon so genervt, dass ich den Supervisor verlange, dann legen sie meist von selbst auf. Wenn wirklich der Supervisor kommt, spreche ich natürlich in den besten Tönen vom jeweiligen Telefonisten, sehr kompetent und freundlich, ein wirklich gut ausgearbeiteter Telefonleitfaden….

Da kann man so schön mit den Leuten spielen. Immer fragen wieviele Fragen denn noch kommen und bei der Vorletzten einfach auflegen, oder sagen die möchte ich nicht beantworten, das ist auch sehr gut weil dann in der Regel der Anruf für die Katz war. Nur vollständig geführte Interviews werden gezählt.

Mir machen solche Anrufe eigentlich immer Spaß.

# fym

Im Call-Center saß ich ja auch schon (wenn zum Glück und auf meine Verweigerung hin, auch nicht im Outbound). Vielleicht versuche ich gerade deshalb, solche Anrufe möglichst schnell & schmerzfrei für alle Beteiligten abzufertigen. Gehäßigkeit muss schließlich für wichtige Dinge gespart werden.

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