kreiseziehenwieder

Meine misslungene Integration hatte vor guten 20 Jahren wenigstens einen tröstenden Nebeneffekt. Die Konfirmation brachte mir ein bisschen Geld ein.
Geld, das ich zu fast 100% in verspiegelte Kästen investierte.

Vorbereitet und bewaffnet mit einem dieser GU-Ratgeber-Heftchen zur Aquaristik und diversen Aquaristikbüchlein aus den 70'ern (dank gut ausgestatteter Bibliothek), beschaffte ich mir also ein 112 Liter Becken und machte daraus ein Gesellschaftsbecken. Wie man das zu Beginn eben macht.

Dieses Aquarium wurde im Laufe der Zeit mit anderen vergesellschaftet, denn gegen MTS ist man nur in den seltensten Fälle immun. Also kam ein weiteres, kleineres Becken dazu (60 Liter), sowie 2 noch kleinere Aufzuchtbecken. Am Ende hatte ich im Kinderzimmer 4 Becken stehen. 5 Jahre lang Fischegucken. Fischefüttern. Wasserwechsel, Pflegen und Hegen. Was man eben so tut.

Dann kam der Auszug aus den elterlichen Räumen, die 2 kleineren Becken wurden geleert und die 2 größeren blieben zurück, während ich in Richtung Bielefeld abwanderte. Meine Eltern legten sie irgendwann trocken, ein paar Jahre später gab ich in Abwesenheit das Okay dafür, sie irgendwem aus der weiteren Verwandtschaft zu schenken.

Aber genug von Opas damaligem Wasserkrieg.
Kommen wir lieber zum aktuellen Memorandum.

Im Kreislauf

Das Kribbeln ist die letzten Monate wieder zurückgekommen, nachdem ich rein interessehalber ein paar YouTube-Kanäle abonniert hatte. In den 15 Jahren außerhalb des Hobbys ist schon ein bisschen was passiert.

Garnelen sind plötzlich unglaublich beliebt. Damit einhergehend haben sich Aquascaping, Nano-Aquarien und -Fische ein bisschen in den Vordergrund gedrängt, während es bei der Technik, den Pflanzen und der Filterung ein, zwei Dinge mehr gibt, die mir zumindest bis dato relativ unbekannt waren. Aufregend.

Kurzer Einschub: Der Begriff "Nano" für den Kram ist eigentlich schrecklich. Er suggeriert Begebenheiten, die so einfach nicht stimmen und bisweilen ohnehin schon vorhandene Anfängerfehler verstärken kann. Der Einfachheit halber benutze ich ihn hier aber trotzdem.

Der Vorsatz war gefasst, ein Nano-Aquarium mit runden 37 Litern ausgeschaut und der spätere Besatz im Geiste schon entschieden. Die benötigten Utensilien wurden letzten Monat besorgt. Ich wusste nicht, wie sehr ich die 20 Jahre alte Erkenntnis wieder verdrängt hatte, bis der Gang zur Kasse kam. Aquaristik ist immer noch kein allzu billiger Spaß. Selbst — nein, vor allem gerade die Nano-Aquaristik. Die steigt da in geradezu absurde Gefilde empor.

Der Einkauf fand Umständen entsprechend recht spät am Abend statt, so dass ich mich erst ebenso spät ans Einrichten machte und irgendwann gegen 2 Uhr Nachts fertig wurde.

Knuffig!

Die nächsten Wochen heißt es dann schlicht: Warten. Geduldig sein. Wasserwerte messen. Auf den Nitritpeak warten. Tee trinken.

5 Tage später

Eine der gekauften Wurzeln wollte auch nach Tagen des Wässerns nicht wirklich untergehen, deshalb wurde die erst viel später als geplant eingebracht und ein bisschen ungeplant verkantet. Schwimmpflanzen waren ebenso geplant, aber im initialen Einkauf nicht erhältlich, daher kamen auch die erst später via Onlineversand hinzu.

14 Tage später. Dem Bakterienrasen auf der rechten Wurzel geht's zumindest gut

Der Nitritpeak kam schon früher als erwartet und nach 10 oder 11 weiteren Tagen Karenzzeit ging es an den Besatz.

Ausgeguckt hatte ich mir von Anfang an Boraras brigittae als Besatz. Knuffige kleine Rasboras, die im Englischen passenderweise Chilli oder Mosquito rasboras genannt werden. Hierzulande hat sich Moskitobärbling für sie eingebürgert.

Aufgrund der Beckengröße und des Umstandes, dass ich die typische Gesellschaftsbecken-Phase1 eines Aquarianers damals schon abhaken konnte, sollte es stets ein Artenbecken sein. Die kleinen Chilis schienen genau richtig.

Ich hatte es initial schon befürchtet und so kam es dann auch am Tag des Einkaufs: Es gibt 6 Arten von Boraras/Rasboras, die sich alle (vor allem unter Stresssituationen) nicht sofort auf den ersten Blick unterscheiden. Im Laden sah ich sofort, dass bei den als B. brigittae deklarierten Fischen munter einige andere mitschwammen. Da gibt es wohl immer wieder Durchmischungen. Der Verkäufer hat sein Möglichstes beim Rausfischen getan, aber neben ein paar B. brigittae sind wohl noch 2, 3 B. maculatus und eventuell ein B. merah mit in die Tüte gekommen.
Sei's drum. Zumindest schwärmen sie gemeinsam.

Ebenso kam bei dem Einkauf noch diverses Kleinzeugs in die Tüte (wir nennen das das IKEA-Syndrom) sowie 2 weitere Pflanzen. Weeping Moos für die Wurzel und Grasartiger Wasserschlauch.

Stress pur, ich weiß

Und da haben wir all das, was einen Monat vorher begonnen hat.

Die Werte schauen bisher gut genug aus, so dass ich demnächst den 2. Satz an Fischlein zufügen werde, um auf den anvisierten finalen Besatz von ca. 13 - 15 Fischen zu kommen.

Bis dahin genieße ich die entspannenden Blicke hinein in den verspiegelten Kasten.

Als hätten nicht über 15 Jahre Pause zwischen der Begeisterung gelegen.

Bewegte Bilder

1 … oh! Und ich will noch den Fisch!… Und den! … Da passen doch noch welche rein! Vor allem, weil ich noch diese eine Art haben will.

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