Was nervt...

Meinungen sind anscheinend für manche (oder sehr viele) Menschen deshalb vorhanden, damit sie diese in das ein oder andere Extrem ziehen können. Das ist vor allem bei technischen (Glaubens-)Fragen immer wieder amüsant. "Windows oder Linux?" ist da so ein Paradebeispiel für. Genau diese Extreme sind aber auch beim Konflikt der "alten Hasen" (sprich: Usenet-Nutzer) gegenüber den gemeinen Höher-schneller-bunter Menschen (sprich: Webnutzer) vorhanden.

Es scheint bei diversen Usenet-Urgesteinen als wirklich individuell, außergewöhnlich oder einfach nur toll empfunden zu werden, wenn man die andere Seite komplett ablehnt und seine minimalistischen Neigungen bei jeder Gelegenheit im eigenen Medium hinklatscht. Gestern bin ich in einer Newsgroup über eine URL gestolpert, die ich bis dato noch nicht kannte. Was hab ich mich darüber amüsiert. Die Rede ist von einer Meinungsseite eines Usenetlers, auf der er auflistet, "warum Webforen nerven". Feine Sache, überhaupt nicht polemisch oder überspitzt.

Als contra-Argument wird da zB. gleich zu Beginn angeführt

Festgenagelt auf einem Interface: Bei Webforen sind die darin enthaltenen Postings fest mit der jeweiligen Forensoftware verbunden. [...] Glücklicherweise hat jede Forensoftware seine eigene Oberfläche, so daß keine Langweile aufkommt und man sich bei fast jedem Forum wieder neu einarbeiten muß, weil jeder eine andere Software einsetzt

vBulletin und phpBB sind zwar wohl mit am meisten vertreten, aber es gibt natürlich zahlreiche andere Varianten. Doch ist mir bisher keines untergekommen, dass sich vom Aufbau oder der Semantik so stark von anderer Forensoftware unterscheidet, dass man sich erneut mit hohem Aufwand "einarbeiten" müsste.

Ein weiteres Argument zur Untermauerung der Aussage kritisiert auch die "Verteilte[n] Informationen" in Webforen. Man müsse ja in jedem einzelnen Forum eines Boards schauen, um überblicken zu können, was an interessanten Themen/Antworten so gepostet worden ist. Ahja. Ich weiß ja nicht, auf welchen Foren sich der Herr so alles rumgetrieben hat, aber "Heutige Beiträge anzeigen" bzw. "Neue Beiträge anzeigen" Optionen sind Standard bei allen mir bekannten Boardsystemen. Wer da den Überblick verliert, der verliert ihn wohl überall. Auch die "linearen Threads" in Foren müssen als contra herhalten. "Dadurch ist nur mit Mühe zu erkennen, auf welches Vorposting sich ein Poster eigentlich bezieht" finde ich witzig. Foren sind in Bezug auf Antworten eher unmittelbar und wenn nicht, gibt es auch dort eine Funktionsmöglichkeit, welche mitunter häufig genauso unverhältnismässig wie im Usenet eingesetzt wird, den Bezug eines Beitrages klar zu erkennen zu geben. Das Zitieren können eben nicht nur die Usenet'ler. Ach, und laut Verfasser haben Webforen auch so gar keine Bestimmungen darüber, was Signaturen anbelangt. Da hängen schließlich "viele Teilnehmer [...] ein bildschirmfüllendes Bild an". Natürlich. In jedem Forum. Das mögen die Webforen-User schließlich. Muss alles so bunt wie möglich sein.

Fein ist dann aber die vermeintliche Logik hinter dem vorletzten Argument:

Organisierungswahn (Hinzugefügt): Eigentlich alle Foren sind in zahlreiche Themenbereiche aufgeteilt. Das endet darin, daß ein oft nur schwaches Posting-Aufkommen noch weiter auf die Themenbereiche aufgeteilt wird. Insgesamt werden die Foren dadurch unübersichtlicher.

Eine Aufsplittung in unterschiedliche Themenbereiche bewirkt also eine Unübersichtlichkeit. Herrlich. Ich mag ja diese "ohne wenn und aber" Usenetuser, die zuviele Bilder verteufeln und ihrer Affinität zur reinen - textbasierten - Präsentation frönen. Dass dann häufig gegen die "Web-Buntis" abgelästert und sich aufgeregt wird, erinnert mich von der Art immer an einen alten Opa, der am Fenster sitzt, sentimental an die gute alte Zeit zurückdenkt und sich von den, vorm Fenster spielenden, Kindern genervt zeigt.

Ich gehöre zwar sicherlich nicht zu diesem harten Kern an Usenet-Usern, weshalb der Eintrag hier wohl auch recht polemisch rüberkommen mag, aber ich bin auch kein absoluter Fan des "Klicki-Flash-Bunt"-Webs. Ich sehe mich da in der Mitte, denn Extreme find ich doch etwas öde.

gedruckt am 15.10.05 @ 08:00 Schlagworte Perspektive

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# Thomas Skora

Was man nicht so alles findet, wenn man guckt, von wo man verlinkt wird ;-)

Nun ja, mittlerweile hab ich meine Seite "relaunched" und die alten Meinungen kommentiert. Da wird auch klarer, dass sie mit viel Ironie enthalten. Aber auch nach einiger Zeit (und das verwundert mich), kann ich diese Meinung noch erstaunlich gut vertreten.

Hier liegenh übrigens paar Verständnisfehler vor, die ich auf http://skora.net/webforen/ richtigstellen werde ;-)

# fym

Hehe, das Internet ist eben doch nur ein Dorf. Dann Tach auch, du "Usenetuser" du ;)

Wenn die Seite dann steht, schaue ich auch vorbei. In der Zwischenzeit würde ich diesen Blogeintrag von damals mit einem "Sehr diplomatisch, Herr fym." kommentieren ;)

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